Seit 2003 rapider Anstieg der Beschäftigten mit Nebenjob, in Herne 2.625 Betroffene, im Durchschnitt 570 Euro weniger Monatsverdienst als Personen mit einem Job

Herner Zahlen:

Von März 2008 bis März 2018 stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Nebenjob von 2.124 auf 2.625 Betroffenen.
D.h. die Stadt Herne verzeichnet für die vergangenen 10 Jahren einen Anstieg von 23,6 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Nebenjob.

Immer mehr Menschen in NRW brauchen Nebenjobs

Matthias Korfmann

Immer mehr Arbeitnehmer in NRW sind darauf angewiesen, zusätzlich zu ihrer Hauptbeschäftigung noch nebenbei zu arbeiten. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt deutlich um etwa 20 Prozent. Der Zuwachs bei den so genannten Mehrfachbeschäftigten fiel prozentual aber viel stärker aus. Ende 2017 gab es in NRW rund 600.000 Menschen, die zusätzlich zum Hauptjob nebenbei arbeiteten, meistens in einem „Minijob“. Zehn Jahre zuvor waren es rund 350.000.

In Dortmund verdoppelte ( diese Feststellung von Redakteur Korfmann entspricht nicht den Tatsachen, in Dortmund Anstieg von rund 11.500 auf 17.500 – Norbert Kozicki) sich diese Zahl fast auf etwa 17600, in Essen und Duisburg ist die Entwicklung ähnlich, wie aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, die der WAZ vorliegen. Landesregierung und Gewerkschaften warnen vor dem Trend zum „Multijobber“.

Unternehmen ziehen sich aus der Tarifbindung zurück

Hinter der Mehrfachbeschäftigung steckt in vielen Fällen nicht der Wunsch,
Luxusgüter zu kaufen, sondern die Not. Experten des Institutes für Arbeitsmarkt-
und Berufsforschung (IAB) erklären, dass die Nebenjobber in ihrer
Hauptbeschäftigung im Schnitt 570 Euro weniger im Monat verdienen als
Personen mit nur einem Job. Beim Blick auf alle Arbeitnehmer, inklusive Beamte
und Selbstständige, kommt das IAB zum Ergebnis, dass etwa drei Millionen
Menschen in Deutschland mehr als einen Job haben – doppelt so viele wie im
Jahr 2003.

Nebenjobs, die nur aus Interesse an der Aufgabe ausgeübt werden oder um Geld für besondere Ausgaben zu haben, seien unproblematisch, sagte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) der WAZ. Anders sei es, wenn der Vollzeitlohn im Hauptberuf nicht zum Leben reiche. „Wenn sich immer mehr Unternehmen aus der Tarifbindung zurückziehen, wird sich das Problem weiter verschärfen“, warnte Laumann. Die Tarifbindung müsse wieder deutlich gestärkt werden.

Die Vize-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes in NRW, Sabine Graf, sieht dies ähnlich: „Es ist ungerecht und gefährdet den sozialen Zusammenhalt, wenn Beschäftigte sich mit Nebenjobs über Wasser halten müssen.“ Eine Ausweitung der Tarifbindung könne diesen Trend stoppen. Tarifverträge garantierten faire Bezahlung. Der DGB kritisiert auch den Vorstoß von NRW im Bundesrat, die Minijob-Verdienstgrenzen auszuweiten. Man müsse mehr Menschen in reguläre Jobs bringen und nicht die Zahl der Minijobber erhöhen.

Hier findet man/frau die Publikation des IAB:

Mehrfachbeschäftigte

 

Und hier die neueste Publikation zum Thema von der Bundesagentur für Arbeit.

Mehrfachbeschaeftigte

Das Wichtigste in Kürze

 Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist für den 30. Juni 2017 insgesamt 3,3 Millionen Mehrfachbeschäftigte aus.

 Mehrfachbeschäftigung tritt dabei in unterschiedlichen Kombinationen auf. So können unter anderem mehrere sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigungen miteinander kombiniert werden, ge-nauso wie es möglich ist, gleichzeitig mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse aus-zuüben.

 Die mit 2,7 Millionen größte Gruppe der Mehrfachbeschäftigten kombiniert eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung mit einem geringfügig entlohnten Nebenjob. Diese Form der Mehrfachbeschäftigung steht besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund wird hier diese Form der Mehrfachbeschäftigung betrachtet.

 Die rechtlichen Rahmenbedingungen für geringfügig entlohnte Beschäftigung im Nebenjob gelten seit 2003. Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten in dieser Form hat seitdem stetig zugenommen. Mitte 2017 hatten mehr als acht von hundert sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Minijob als Nebenjob.

 Diese Form der Mehrfachbeschäftigung ist in Westdeutschland stärker verbreitet als in Ostdeutschland. In Westdeutschland waren es gut neun, in Ostdeutschland gut vier von hundert sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

 Bezogen auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist die Kombination mit einem geringfügig entlohnten Nebenjob besonders bei Frauen, Ausländern sowie Jüngeren unter 25 Jahre verbreitet.

 Überdurchschnittlich oft wird eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung mit einem Mi-nijob als Nebenjob kombiniert. Eine solche Mehrfachbeschäftigung kann unterschiedliche Gründe haben: beispielsweise war eine Vollzeitstelle nicht zu finden oder eine Vollzeitbeschäftigung kann wegen (familiärer) Verpflichtungen nicht ausgeübt werden. Zudem ist teils bei gleicher Gesamtstundenzahl Mehrfachbeschäftigung finanziell günstiger als nur eine sozialversicherungspflichtige Be-schäftigung.

 Beschäftigte mit Nebenjob, die im Hauptjob eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung ausüben, habe ein geringeres mittleres Monatseinkommen als alle sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten. Dabei haben Frauen nicht nur ein geringeres Haupteinkommen als Männer. Auch die Differenz zu allen Vollzeitbeschäftigten ist bei Frauen größer als bei Männern.

 Die ausgeübten Berufe und auch das Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeiten gehen in Haupt- und Nebenjob teilweise weit auseinander.

 Bei der Verbreitung von Mehrfachbeschäftigung in der hier betrachteten Form gibt es einerseits ein ausgeprägtes West-Ost-Gefälle, andererseits aber auch ein Süd-Nord-Gefälle.

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