„Wenn Ihr gesamtes monatliches Einkommen durchschnittlich unter 838 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben.“

(aus dem aktuellen Rentenversicherungsbericht vom 28.11.2018)

Wenn das Geld knapp wird: Wie geht es den Rentner in Deutschland wirklich ?

Freitag, 30.11.2018, 15:01 (Quelle: Focus)

Millionen Deutsche haben Angst vor Altersarmut. Obwohl es den aktuellen Rentnern so gut geht wie keiner Generation vorher, kommen viele Ruheständler finanziell nur mit Ach und Krach über die Runden. Ab wann Rentner als arm gelten und was sich dagegen tun lässt.

Die Standardrente liegt 2018 in den alten Bundesländern bei monatlich 1441,35 Euro brutto, wie die Deutsche Rentenversicherung ermittelt hat. Im Osten werden 1381,05 Euro erreicht. Von diesen Beträgen gehen noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern ab.

Die Standardrente kassiert, wer 45 Jahr lang immer ein Entgelt in Höhe des Durchschnittsentgelts aller Versicherten bezogen hat. Im laufenden Jahr liegt dieser Wert bei 37.873 Euro, er steigt jährlich leicht an.

Millionen Rentner bekommen unter 900 Euro im Monat

Die Beträge von 1441,35 Euro (West) beziehungsweise 1381,05 Euro (Ost) sind aber lediglich Durchschnittswerte. Viele Ruheständler beziehen weit weniger staatliche Rente. Maximal 900 Euro pro Monat kassieren im Westen 37 Prozent der Männer und 76,5 Prozent der Frauen. Im Osten sind es 25,4 Prozent der Männer und genau 50 Prozent der Frauen.

Dass Frauen in den neuen Bundesländern im Schnitt höhere Renten bekommen, hat einen einfachen Grund: In der früheren DDR war die Quote der weiblichen Arbeitnehmer höher als in der alten Bundesrepublik. Viele ostdeutsche weibliche Arbeitskräfte kommen auf rund 40 Versicherungsjahre, im Westen liegt der Durchschnitt niedriger.

Die Aufteilung bei den Bezügen der Altersrentner nur im Westen sieht laut Deutscher Rentenversicherung so aus:

Die Statistik zeigt: Mehr als 9,3 Millionen Ruheständler allein in den alten Bundesländern müssen mit Renten von 900 Euro und weniger auskommen. In den neuen Bundesländern kommen weitere gut 1,5 Millionen Rentner dazu. Zwar gibt es viele, die weitere Einnahmequellen wie etwa Witwenrenten oder Zinseinnahmen haben. Doch wer nur auf seine Altersrente angewiesen ist, bekommt in teuren Ballungsgebieten und Großstädten mit hohen Mieten finanzielle Schwierigkeiten.

Machen Sie ähnliche Erfahrungen und kommen mit Ihrer Rente gerade so über die Runden? Wir suchen Fälle aus dem richtigen Leben. Schildern Sie uns Ihre Situation in einer Mail an:  mein-bericht@focus.de. Selbstverständlich behandeln wir alle Zuschriften anonym.

Schreiben Sie uns bitte auch, wenn Sie Beratungsbedarf rund um die Themen Rente und Alterseinkünfte haben.

Alleinstehende mit circa 800 Euro Monatsnetto fallen unter Altersarmut

Für den Begriff Altersarmut gibt es keine eindeutige Definition. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht von Armut, wenn die betroffene Person maximal 50 Prozent des Medianeinkommens bezieht. Unter Medianeinkommen wird der Betrag verstanden, bei dem genau 50 Prozent der Bevölkerung mehr und die anderen 50 Prozent weniger verdienen – er ist also die rechnerische Mitte aller Einkommenshöhen.

Im Jahr 2017 lag dieser Betrag bei 1615 Euro netto für einen Alleinstehenden. Vierköpfige Familien lagen bei 3392 Euro – für Rentner ist diese Kategorie allerdings nicht relevant.

Folgt man der Definition der OECD, dann ist jeder alleinstehende Rentner arm, der über weniger als 808 Euro Nettoeinkommen pro Monat verfügt.

Grundsicherung soll Altersarmut vermeiden

Bezieher niedriger Renten können Grundsicherung beantragen. Im Dezember 2017 bekamen in Deutschland 544.090 Rentner diese staatliche Hilfe, wie das Statistische Bundesamt ausweist. Die Leistung erhalten „hilfebedürftige Personen, die die Altersgrenze erreicht haben (und) auf Dauer ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Erwerbstätigkeit bestreiten können“, wie das Bundesarbeitsministerium definiert.

Die Leistungen erstrecken sich auf

  • den maßgebenden Regelbedarf des Leistungsberechtigten: Diese bürokratischen Formel bedeutet, dass jemand das erforderliche Geld für seinen Lebensunterhalt bekommen muss. Dazu gehören etwa Ernährung, Körperpflege und Kleidung. Die Behörden legen den Regelbedarf nach generellen Kriterien fest. Dazu zählen die jeweilige Altersstufe und besondere Lebenssituationen.
  • die Aufwendungen für Unterkunft und Heizung
  • gegebenenfalls Mehrbedarfe, wie etwa bei einer Gehbehinderung
  • die Übernahme von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, Zusatzbeiträgen und Vorsorgebeiträgen.

Die staatliche Hilfe gibt es nur, wenn Bedürftige einen Antrag gestellt haben. Die Deutsche Rentenversicherung informiert dazu: „Wenn Ihr gesamtes monatliches Einkommen durchschnittlich unter 838 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben.“ Wird die Grundsicherung gewährt, fließt das Geld unabhängig davon, ob der Antragsteller bereits eine Altersrente oder eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommt, heißt es in der Information.

Die Regelsätze für Grundsicherung im Alter sind gesetzlich festgelegt. Im Jahre 2018 erhalten alleinstehende Personen 417 Euro. Verheiratete beziehungsweise verpartnerte Hilfebezieher bekommen 374 Euro. Das bedeutet: Ehepaare erhalten 748 Euro Grundsicherung im Monat. Das ist der Maximalwert, weil die Behörden Renten und andere Einkünfte anrechnen. Zusätzlich zahlt der Staat allerdings noch die Wohnungskosten.

Trotz dieser staatlichen Hilfen gibt es viele Senioren, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen und sich jede Extra-Ausgabe vom Mund absparen müssen.

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