Neues von einer der reichsten Familien Deutschlands: Reimann-Familie verliert fast eine Milliarde Euro und kappt ihre Wurzeln

25.03.2019 Handelsblatt

Neues von einer der reichsten Familien Deutschlands

Reimann-Familie verliert fast eine Milliarde Euro und kappt ihre Wurzeln

Von: Christoph Kapalschinski

Die Krise bei Coty hat die Familie allein im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Euro gekostet. Vom Familienkonzern Reckitt Benckiser hat sie sich fast komplett getrennt.

HamburgDas Vermögen der Industriellen-Geschwister Reimann ist im Jahr 2018 um fast eine Milliarde Euro gesunken. Das zeigen die am Montag veröffentlichten Bilanzzahlen ihrer Holding Johann A. Benckiser (JAB). Ursache ist vor allem der Kurseinbruch bei den Aktien des US-Kosmetikkonzerns Coty. Zudem hat sich die Familie fast komplett aus dem Stammgeschäft, dem heute britischen Konsumgüterkonzern Reckitt-Benckiser (RB), zurückgezogen.

Zum Jahresende belief sich das Vermögen auf 15,26 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor lag es noch bei 16,15 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten stiegen von 6,6 Milliarden auf 8,4 Milliarden Euro. Die Holding weist einen Verlust von 852 Millionen Euro aus. Im Vorjahr verdiente sie noch 108 Millionen Euro.

JAB vereint neben Anteilen an RB und dem US-Kosmetikkonzern Coty ein zusammengekauftes Kaffee-Reich mit Marken wie Jacobs, Douwe Egberts, dem US-Kaffee- und Softdrinkkonzern Keurig-Dr. Pepper und mehreren Kaffeehausketten wie Balzac. Dazu kommt die zum Verkauf stehende Luxusmarke Bally. Die Holding operiert mit dem Geld der vier Chemie-Erben Reimann und hat einen Fonds für externe Anleger aufgelegt.

Das Portfolio ist in Bewegung: Das Kaffeegeschäft hat JAB neu strukturiert und dabei Jacobs Douwe Egberts aus einer separaten Gesellschaft in eine größere Dachgesellschaft integriert. Das könnte auch eine Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang des Kaffeegeschäfts sein, den JAB-Chef Peter Harf für die kommenden zwei Jahre anpeilt.

Während das eher eine technische Änderung ist, schneidet der schleichende Abschied von RB in die Familiengeschichte ein. JAB hielt zum Jahresende nur noch 0,7 Prozent an Reckitt Benckiser. Ein Jahr zuvor waren es noch 5,1 Prozent. Die Anteilsverkäufe spülten gut 2,1 Milliarden Euro in die Kasse.

Die Reimann-Familie hat eine Nazi-Vergangenheit

Ursprünglich hatte JAB einmal rund 16 Prozent an dem Unternehmen gehalten, das 1999 aus einer Fusion des ererbten Chemiekonzerns Benckiser mit dem Reckitt-Konzern entstanden war.

Stattdessen erhöht JAB nun den Anteil an Coty. Die Aktien des Konzerns sind seit der problembeladenen Übernahme eines Markenpakets von Procter & Gamble unter Druck. Anfang 2019 machte JAB den übrigen Aktionären ein Angebot, für bis zu 1,7 Milliarden Dollar ihren Anteil von gut 40 Prozent auf 60 Prozent hochzufahren. Dieses Angebot, das die Aktie stützt, spiegelt sich in den Zahlen von 2018 noch nicht wider. Der steigende Aktienkurs erhöht jedoch den Wert der JAB-Beteiligung.

Ebenfalls nach Ende des Geschäftsjahrs verlor JAB-Mastermind Peter Harf den langjährigen Partner Bart Becht. Der Ex-RB-Chef verabschiedete sich im Konflikt um die richtige Strategie in den Ruhestand.

Das Management ist auch 2018 nicht leer ausgegangen: Für ein Aktien-Optionen-Programm für Management und Berater nennt die Bilanz Aufwendungen von 200,6 Millionen Euro im Jahr 2018 – deutlich weniger als im Vorjahr mit 592,9 Millionen Euro. Ans Finanzamt zahlte JAB mit Sitz in Luxemburg vergleichsweise bescheidene 0,3 Millionen Euro.

Die Reimann-Familie machte am Wochenende in der „Bild am Sonntag“ Schlagzeilen, weil Historiker die Familiengeschichte aufgearbeitet haben. Die Vorfahren der Chemie-Erben waren demnach überzeugte Nationalsozialisten und behandelten Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg schlecht. JAB-Partner Harf kündigte als Reaktion eine Spende von zehn Millionen Euro an entsprechende Organisationen an.

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