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Bundesagentur für Arbeit: Fast zwei Millionen Kinder sind auf Hartz IV angewiesen

Bundesagentur für Arbeit: Fast zwei Millionen Kinder sind auf Hartz IV angewiesen

Die Kinderarmut ist leicht gesunken. Dennoch erhalten 1,95 Millionen Kinder in Deutschland Hartz IV, zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.
Bundesagentur für Arbeit: Im Vergleich zu 2017 ging die Zahl der Kinder, die von Hartz IV leben, um 3,7 Prozent zurück - dennoch liegt sie immer noch bei fast zwei Millionen.
Im Vergleich zu 2017 ging die Zahl der Kinder, die von Hartz IV leben, um 3,7 Prozent zurück – dennoch liegt sie immer noch bei fast zwei Millionen. © Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

In Deutschland leben immer noch fast zwei Millionen Kinder in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit anlässlich des internationalen Kindertags. Demnach liegt die Zahl der von Hartz-IV-Leistungen lebenden unter 18-jährigen Kindern bei etwa 1,95 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zu Ende 2017. Damals gab es noch 2,037 Millionen Kinder und Jugendliche, die auf die Grundsicherung angewiesen waren – das sind fast 15 Prozent aller Minderjährigen in der Bundesrepublik.

Besonders häufig sind noch immer Familien von Armut betroffen, in denen es nur einen Elternteil gibt. Ende 2018 erhielten 886.823 Kinder von Alleinerziehenden Sozialhilfe. Auch zwischen Ost- und Westdeutschland zeigt sich nach wie vor ein Unterschied: Während 13,5 Prozent der Minderjährigen im Westen Sozialleistungen erhalten, sind es 18,4 Prozent im Osten.

Generell sind die regionalen Unterschiede groß: Während die Quote der Kinder, die Hartz IV bekommen, in Sachsen auf dem durchschnittlichen Niveau von Westdeutschland liegt, ist in Bremen (32,1 Prozent) und Berlin (28,5) jedes dritte Kind arm. In Schleswig-Holstein benötigten 15,7 Prozent der Kinder unter 18 Sozialleistungen, in Niedersachsen 15 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 19 Prozent und in Sachsen-Anhalt 20,3 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern habe der Wert bei 17,4 Prozent gelegen, in Brandenburg bei 13,7 Prozent, heißt es in dem Bericht.

„Beschämend, dass so viele Kinder von finanziellen Problemen betroffen sind“

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann, kritisierte, es sei für eines der reichsten Länder beschämend, „dass so viele Kinder von finanziellen Problemen betroffen sind“. Statt unbeschwert aufwachsen zu können, lernten diese Kinder Entbehrungen kennen.

Zimmermann forderte von der Bundesregierung Maßnahmen gegen Kinderarmut. „Die Leistungen für Kinder müssen erhöht und eine eigenständige Kindergrundsicherung eingeführt werden.“ Die Bundestagsabgeordnete sprach sich außerdem für mehr Lohngerechtigkeit aus. Bei Kinderarmut gehe es um die Armut der Eltern: „Wir brauchen Löhne, von denen man leben und seine Familie ernähren kann.“

Es gibt keine einheitlichen Berechnungen zu Kinderarmut in Deutschland. Der Deutsche Kinderschutzbund geht aber davon aus, dass schätzungsweise 4,4 Millionen Kinder in Armut leben. Als Maßnahme gegen Kinderarmut hatten die Bundesregierung unter Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (ebenfalls SPD) im Januar das sogenannte Starke-Familien-Gesetz verabschiedet. Von der Neuregelung sollen vor allem Alleinerziehende und Geringverdiener mit Kindern profitieren. Kritiker wie der Kinderschutzbund hatten die Änderungen allerdings als unzureichend kritisiert.

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