Armes Deutschland: 19,4 % aller Vollzeit-Beschäftigten mit Niedriglohn (weniger als 2.203 Euro brutto) – 40,6 % der unter 25-Jährigen mit Niedriglohn

Im Osten arbeitet fast jeder dritte Vollzeitbeschäftigte zu einem Niedriglohn.
Im Osten arbeitet fast jeder dritte Vollzeitbeschäftigte zu einem Niedriglohn. Quelle: Carsten Rehder/d

In Ostdeutschland arbeitet fast jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Vollzeitjob für einen Niedriglohn. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Demnach verdienten 2018 bundesweit 4,14 Millionen Vollzeitbeschäftigte weniger als 2.203 Euro. Dieser Wert entspricht zwei Dritteln des mittleren monatlichen Bruttoentgelts und wird auch „Niedriglohnschwelle“ genannt. Darunter lagen bezogen auf die gesamte Bundesrepublik 19,3 Prozent aller Beschäftigten mit Vollzeitstelle.

Den Angaben zufolge waren in Ostdeutschland 1.248.516 Beschäftigte mit Vollzeitjob zu Niedriglöhnen angestellt. Das entspricht einem Anteil von 32,1 Prozent. In Westdeutschland gab es 2.892.287 Vollzeit-Beschäftigte unterhalb der Niedriglohnschwelle, was einem Anteil von 16,5 Prozent entspricht.

„Regierung lässt Menschen in ihrer Not allein“

Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl zeigte sich angesichts der Zahlen alarmiert. „Wer Vollzeit arbeitet und trotzdem nicht über die Runden kommt, den packt die blanke Angst“, sagte die Bundestagabgeordnete dem RND. „Die Bundesregierung lässt die Menschen in ihrer Not allein und hält an ihrer verfehlten Arbeitsmarktpolitik fest.“ Hartz IV habe unzumutbare Arbeit zumutbar gemacht: „Die Folge sind Dumpinglöhne und Millionen Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können. Das kann sich eine Demokratie auf Dauer nicht leisten.“

Der Niedriglohn-Anteil bei Vollzeitbeschäftigten unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland stark. In Mecklenburg-Vorpommern mit 37,9 Prozent, in Thüringen mit 35,2 Prozent, in Sachsen und Brandenburg mit jeweils 35,1 Prozent sowie Sachsen-Anhalt mit 34,6 Prozent liegt er oberhalb des ostdeutschen Durchschnittswerts. In Berlin sind es dagegen 21,5 Prozent. In Schleswig-Holstein beträgt der Anteil der zu Niedriglöhnen beschäftigten Vollzeitbeschäftigten bei 21,3 Prozent, in Niedersachsen 20,4 Prozent sowie in Nordrhein-Westfalen 17,1 Prozent.

Lesen Sie auch: In Ingolstadt verdient man am meisten – in Görlitz nicht einmal die Hälfte davon

Frauen und Jüngere besonders stark betroffen

Besonders stark betroffen sind Frauen. Bei Arbeitnehmerinnen mit Vollzeitjob beträgt der Niedriglohn-Anteil 26,5 Prozent, bei Arbeitnehmern sind es 19,3 Prozent. Häufig verdienen auch jüngere Beschäftigte weniger als zwei Drittel des mittleren Monatsentgelts. Bei den unter 25-Jährigen sind es laut Bundesarbeitsministerium 40,6 Prozent.

Betrachtet man einzelne Branchen, zeigt sich, dass der Niedriglohn-Anteil bei Beschäftigten mit Vollzeitjob in den Reinigungsberufen mit 65,9 Prozent besonders hoch ist. Im Lebensmittel- und Gastgewerbe sind es 53,2 Prozent, in Landwirtschaft, Forst und Gartenbau 42,8 Prozent.

Mehr lesen: Das hat uns Hartz IV gebracht – eine Bilanz

Von Rasmus Buchsteiner/RND

Hier findet man die ganze Antwort der Bundesregierung zum Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Leiharbeit“:

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/127/1912700.pdf

 

teilen mit …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

− 4 = 3