Über 152.000 Vollzeitbeschäftigte im Ruhrgebiet im Niedriglohn: 20,4 Prozent im Niedriglohn (weniger als 2.289 Euro brutto)

Nordrhein-Westfalen: 19,3 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohn

Fast jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in Nordrhein-Westfalen bekommt nur Niedriglohn

Über 152.000 Vollzeitbeschäftigte im Ruhrgebiet im Niedriglohn:

20,4 Prozent im Niedriglohn 

(weniger als 2.289 Euro brutto – 1.549 Euro netto, Steuerklasse 1- nach 40 Jahren 912 Euro Rente abzügl. KV/PV)

 

Im Ruhrgebiet arbeitet mehr als jeder Fünfte im Niedriglohn und hat dabei einen Vollzeitjob. Demnach verdienten 2018 152.694 Vollzeitbeschäftigte im Ruhrgebiet weniger als 2.289 Euro. Dieser Wert entspricht zwei Dritteln des mittleren monatlichen Bruttoentgelts und wird auch „Niedriglohnschwelle“ genannt. Aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsmarktlage berechnet die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) für Westdeutschland (2 289 Euro) und Ostdeutschland (1 805 Euro) eine separate Schwelle des unteren Einkommensbereichs (Gesamtwert 2.203 Euro).

Darunter lagen bezogen auf die gesamte Bundesrepublik 19,3 Prozent aller Beschäftigten mit einer Vollzeitstelle. Für Nordrhein-Westfalen liegt die Quote bei 20,4 Prozent. Das ergibt eine aktuelle Auswertung der vorliegenden Zahlen der entsprechenden Statistikstelle der Bundesagentur für Arbeit auf Bestellung des Herner Sozialforums. Parallel dazu wurde vor einigen Tagen die Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion veröffentlicht, die diese Zahlen – allerdings nicht topaktuell – bestätigt.

Die Auswertung für die elf kreisfreien Städte im Ruhrgebiet ergibt folgendes Bild:

Erstellt fürs Herner Sozialforum

 

Im Jahr 2018 gab in den kreisfreien Städten des Ruhrgebietes insgesamt 750.086 sozialversicherungspflichtige Vollzeit-Beschäftigte. Davon waren 20,4 Prozent oder 152.694 Vollzeit-Beschäftigte im Niedriglohn. Gegenüber dem Vorjahr machte das eine Steigerung um rund 1,5 Prozent aus.

Aktueller Spitzenreiter in dieser Negativbilanz ist die Stadt Hamm mit 24,5 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im unteren Entgeltbereich. Danach folgen im Negativranking die Städte Gelsenkirchen mit 21,2 Prozent und Bottrop mit 20,9 Prozent.

Für die Stadt Herne vermeldet die Statistikstelle der BA einen Wert von 19,6 Prozent oder 5.659 Personen im unteren Entgeltbereich.

Anstieg in Herne um 13,6 Prozent

Im Vorjahresvergleich schneidet die Stadt Herne extrem schlecht ab. Die Statistikstelle meldet, dass im Vergleich zum Jahr 2017 in Herne die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohn um 13,6 Prozent gestiegen ist.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl aller sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Beschäftigten in Herne um 3,4 Prozent. Das lässt nur einen Schluss zu: der Anstieg der Anzahl der Beschäftigten in Herne erfolgte besonders im Niedriglohnsektor.

Eine Ergänzung zu den „Herner Zahlen“: Rund 600 Vollzeit-Beschäftigte müssen in Herne zum Jobcenter gehen, um ihren Niedriglohn durch Hartz-IV aufzustocken.

In Gelsenkirchen stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Beschäftigten um 5,8 Prozent und in Duisburg um 3,7 Prozent im Vorjahresvergleich. In Essen nahm die Anzahl dieser Beschäftigten im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozent ab. D.h. die Entwicklung des Arbeitsmarktes bezogen auf die Löhne entwickelt sich im Ruhrgebiet recht unterschiedlich.

Frauen und Jüngere besonders stark betroffen

Besonders stark betroffen sind Frauen. Die bundesweiten Daten zeigen, dass bei Arbeitnehmerinnen mit Vollzeitjob der Niedriglohn-Anteil 26,5 Prozent beträgt, bei Arbeitnehmern sind es 19,3 Prozent. Häufig verdienen auch jüngere Beschäftigte weniger als zwei Drittel des mittleren Monatsentgelts. Bei den unter 25-Jährigen sind es laut Bundesarbeitsministerium 40,6 Prozent.

Betrachtet man einzelne Branchen, zeigt sich, dass der Niedriglohn-Anteil bei Beschäftigten mit Vollzeitjob in den Reinigungsberufen mit 65,9 Prozent besonders hoch ist. Im Lebensmittel- und Gastgewerbe sind es 53,2 Prozent, in Landwirtschaft, Forst und Gartenbau 42,8 Prozent.

Die konkreten Zahlen für das Ruhrgebiet unter diesen sozialstrukturellen Merkmalen sind noch zu ermitteln.

 

Hier findet man die ganze Antwort der Bundesregierung zum Thema Niedriglöhne:

http://www.sozialpolitik-aktuell.de/kontrovers-das-aktuelle-thema-mindestlohn.html#niedrigloehne

Und noch eine Analyse des DIW (Wochenbericht): „Der Niedriglohnsektor ist größer als bisher angenommen“

https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.618178.de/19-14-3.pdf

Norbert Kozicki  Dipl.Soz.Wiss.

Herne, 9.9.2019

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