Das Zeitalter des Fachkräftemangels: „Junge Erwachsene: Ein Drittel hat keinen Berufsabschluss“ – seit 2010 erhebliche Reduzierung der Förderung von Berufsausbildungen

Junge Erwachsene: Ein Drittel hat keinen Berufsabschluss

Knapp 4,8 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 in Deutschland haben keinen beruflichen Abschluss. Gleichzeitig wurden die Fördermaßnahmen für Berufsausbildungen seit 2010 erheblich reduziert.

Fast ein Drittel der 15 Millionen 20 bis unter 35-Jährigen in Deutschland hatte im Jahr 2017 keinen beruflichen Abschluss. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ist zwischen 2014 und 2017 somit um 204.000 Personen beziehungsweise 4,5 Prozent auf knapp 4,8 Millionen angestiegen. Die Zahlen entstammen dem Berufsbildungsbericht 2019.

Ebenfalls gewachsen ist die Zahl der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren die weder einen Berufsabschluss vorweisen konnten, noch sich in schulischer oder beruflicher Bildung befanden. Im Jahr 2017 traf dies in Deutschland auf rund 2,2 Millionen junge Erwachsene beziehungsweise knapp 15 Prozent der Altersgruppe zwischen 20 und 34 zu. Für diese Personen ist das Erlangen eines Berufsabschlusses also auch nicht absehbar.

Quelle: BT-Drucksache 19/13476, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Die Bundesregierung begründet den Anstieg bei den jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken mit den Auswirkungen der verstärkten Fluchtmigration seit 2015. Dabei seien viele junge Menschen nach Deutschland eingewandert, die über keine (anerkannten) Berufsabschlüsse verfügten und in vielen Fällen eher in Arbeit als in Ausbildung einmündeten.

Rückgang von ausbildungsfördernden Maßnahmen

Obwohl die Bundesregierung in ihrer Antwort die Bedeutung von Maßnahmen betont, die ausbildungswillige junge Erwachsene bei dem Erlangen eines Berufsabschlusses unterstützen, zeichnet die Förderstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein anderes Bild. So ist die Zahl der Teilnehmenden in ausbildungsvorbereitenden von 2010 bis 2018 um fast ein Drittel gesunken.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Während sich der Rückgang den ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen auf die Jahre 2010 bis 2013 beschränkte, sind die Teilnehmerzahlen in ausbildungsbegleitenden Maßnahmen konstant rückläufig und haben sich seit 2010 halbiert. Im vergangenen Jahr gab es laut BA-Statistik im monatlichen Durchschnitt knapp 144.000 Teilnehmende in ausbildungsvorbereitenden und knapp 78.000 Teilnehmende in ausbildungsbegleitenden Maßnahmen.

Zu den ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen zählen die Einstiegsqualifizierung, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und die Berufseinstiegsbegleitung. Ausbildungsbegleitende Maßnahmen sind in mehr als die Hälfte der Fälle Ausbildungsbegleitende Hilfen. Weitere ausbildungsbegleitende Maßnahmen sind die außerbetriebliche Berufsausbildung, Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung für behinderte und schwerbehinderte Menschen, Zuschuss für Schwerbehinderte im Anschluss an Aus- und Weiterbildung sowie bis 2016 der Ausbildungsbonus. 2015 wurde die Assistierte Ausbildung als neue ausbildungsbegleitende Fördermaßnahme eingeführt.

Ausbildung schützt vor Arbeitslosigkeit

Nicht nur angesichts des drohenden oder zum Teil bereits existierenden Fachkräftemangels in Deutschland ist der hohe Anteil junger Erwachsener ohne beruflichen Abschluss problematisch. So lässt sich anhand der BA-Statistik zeigen, dass ein beruflicher Abschluss das Risiko, arbeitslos zu werden oder Hartz-IV-Leistungen zu beziehen, erheblich senkt. So lag die Arbeitslosenquote von Ungelernten im Jahr 2018 mit 18,3 Prozent rund sechs Mal so hoch wie bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung.

von Lena Becher

Zum Weiterlesen:

Ausbildungslosigkeit von jungen Erwachsenen, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Birke Bull-Bischoff, Dr. Petra Sitte, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. BT-Drs. 19/13476.

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente – Deutschland, West/Ost, Länder und Regionaldirektionen (Zeitreihe Jahreszahlen), April 2019.

Bild: Colourbox.de

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