Redet sich die Verwaltung der Stadt Herne die Kita-Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren schön trotz der dramatischen Situation der Unterversorgung ? ?

Fragen zum nachfolgenden WAZ-Artikel vom 17.1.2020

Der Bericht der Statistischen Ämter der Bundesrepublik mit dem Titel „Kindertagesbetreuung-regional 2018“ (vom Juli 2019) weist für das Jahr 2018 eine U-3-Betreuungsquote für Herne von 22,2 Prozent aus.

Bereits in einem Artikel am 7. März 2019 in der Herner WAZ wurde von der Stadt angegeben, dass die U-3-Betreuungsquote bei 32,8 Prozent liegen würde. Diese Zahl wird in dem WAZ-Artikel von heute (17.1.2020) wiedergegeben.

Hier entstehen einige Fragen an die demnächst in den Ruhestand gehende verantwortliche Dezernentin Frau Thierhoff:

Wenn die Zahlen richtig sind, heisst das, dass in den vergangenen 10 Monaten in diesem wichtigen Bereich keine neuen Betreuungsplätze in Herne geschaffen wurden ? Wenn die Lücke zwischen Angebot und Kinderzahl laut Frau Thierhoff in Herne immer größer wird, sollte sich auch in der Statistik der Betreuungsquote niederschlagen. Das ist hier nicht der Fall.

Welche Zahlen zur U-3-Betreuungsquote sind korrekt, die der Stadt Herne oder die der Statistischen Ämter der Bundesrepublik ?

Wenn die Zahl zur U-3-Betreuungsquote in Herne korrekt ist, welches Erfolgsrezept hat die Stadt Herne für die Ausgestaltung diesen Bildungsbereiches ? Die Herner Quote würde – wenn sie korrekt ist – signifikant über dem Landesdurchschnitt von NRW mit 28,2 Prozent liegen. Diese aktuelle Zahl wurde von IT.NRW am 14.11.2019 veröffentlicht.

 

Kindertagesstätten

Herne: Zahl der Kita-Plätze reicht hinten und vorne nicht

Michael Muscheid

17.01.2020 – 16:27 Uhr

WAZ Herne.  Die Kita-Versorgung in Herne hat sich verschlechtert, laut Stadt ist die Lage „dramatisch“. Die SPD schlägt deshalb vor, Modul-Kitas zu kaufen.

Die Zahl der Kita-Plätze in Herne reicht noch immer hinten und vorne nicht. Im Gegenteil: Die Versorgungsquote hat sich zuletzt sogar verschlechtert, sagt Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff. Sie nennt die Lage gegenüber der WAZ „dramatisch“. Die SPD schlägt deshalb vor, Kitas in Fertigmodulen anzuschaffen, um kurzfristig zusätzliche Plätze schaffen zu können.

Vor einem Jahr lag die Versorgungsquote in Herne bei 32,8 Prozent bei den unter Dreijährigen und 98 Prozent bei den über Dreijährigen; die Zielquoten aber lauten 42 und 100 Prozent. Neue Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung sollen Ende Februar vorliegen, dann will die Stadt bis zum März einen neuen Kindergartenbedarfsplan vorlegen. Schon jetzt sei aber abzusehen, dass die Kita-Plätze auch im kommenden Jahr nicht ausreichten – selbst dann nicht, wenn bis dahin wie geplant Hunderte neue Plätze geschaffen werden. Die Lücke zwischen Kinderzahlen und Angebot werde immer größer, so die Bildungsdezernentin. Bestehende Kitas seien voll bis unters Dach.

Stadt will Kita-Ausbau mit Kraftanstrengung beschleunigen

Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff: „Wir müssen nicht nur schnell sein, sondern noch schneller.“

Grund für die Misere seien steigende Geburtenzahlen, aber auch Zuzüge von Familien. Sie sorgten dafür, dass immer mehr Kinder einen Platz bräuchten. Im Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie sagte Thierhoff am Donnerstag deshalb über den Kita-Ausbau: „Wir müssen nicht nur schnell sein, sondern noch schneller.“ Sie versprach: Die Verwaltung wolle „richtig powern“. Fehlten Kita-Plätze, seien „Kinder- und Familienschicksale“ die Folgen. Kinder etwa drohten, im Bildungssystem „runterzufallen“. Das dürfe nicht sein, dem müsse dringend entgegengewirkt werden.

In einer Kraftanstrengung wolle die Stadt nun versuchen, den Kita-Ausbau zu beschleunigen. Dabei, so die SPD, könnten Kitas in Modulbauweise helfen, die Lage kurzfristig zu entspannen. Die SPD habe sich so eine Kita in Castrop-Rauxel angesehen und mit der Leitung gesprochen. Die Erfahrungen dort seien positiv, sagte Jörg Högemeier (SPD).

Komplette Kita werde geliefert

In wenigen Wochen Bauzeit wurde am Europaplatz in Castrop-Rauxel aus Dutzenden Modulen eine komplette Kita gebaut – unter anderem mit U3-Raum, Schlafräumen, Cafeteria und Turnhalle. Die „Modul-Kita“, so der SPD-Ratsherr im Ausschuss, wäre auch ein „probates Mittel“ für Herne: „Eine schnelle Umsetzung ist möglich, da die Lieferung einer kompletten Kita erfolgt.“ Mögliche Standorte in Herne seien Bladenhorster Straße, Bogenweg/Schlägelstraße, die Freifläche zwischen kleiner Bergstraße und Südpool, der ehemalige Fortuna-Sportplatz sowie die Freifläche Am Berg/ Am Mühlenbach.

Stadt: Ki­ta­pla­nun­gen sind eine Si­sy­phus­ar­beit

Ul­rich Klon­ki, der Vor­sit­zen­de des Ju­gend­hil­fe­aus­schus­ses, regt ge­gen­über der WAZ an, beim Ki­ta-Aus­bau nicht nur über Mo­dul-Ki­tas, son­dern auch über Kitas in Fer­tig­bau­wei­se nach­zu­den­ken. Auch sie könn­ten dabei hel­fen, Zeit ge­gen­über der her­kömm­li­chen Bau­wei­se zu ge­win­nen. „Wir müs­sen los­le­gen“, gibt der SPD-Rats­herr die Ziel­rich­tung vor.

Bil­dungs­de­zer­nen­tin Gud­run Thier­hoff sagte im Bil­dungs­aus­schuss, dass die Bau­pla­nun­gen eine Si­sy­phus­ar­beit seien. Auch wenn Ki­ta­bau­ten ge­neh­migt und ein­ge­stielt seien, gebe es nicht sel­ten Ver­zö­ge­run­gen. So gebe es etwa Ver­än­de­run­gen beim Ki­ta-Trä­ger, oder der In­ves­tor komme nicht in die Pötte.

Die Vertreter der Stadt äußerten sich zurückhaltend. Diese Kitas seien allenfalls als Zwischenlösungen an einem bestehenden oder geplanten Kita-Standort denkbar, sagte etwa die Bildungsdezernentin. Bei den Ausbau-Plänen wolle man aber prüfen, ob Modul-Kitas Sinn machten. Denkbar sei etwa, dass eine solche Kita für einige Zeit an einem Standort stehe, dann aber an einen anderen wechsele – je nach Bedarf.

Jörg Högemeier (SPD) rief die Stadt angesichts der dramatischen Lage dazu auf, wie versprochen Tempo zu machen. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf“, so der Stadtverordnete.

Offizieller Statistikbericht Stand 1.3.2018 (letzter Stand):

https://www.statistikportal.de/sites/default/files/2019-07/Kindertagesbetreuung_2018_barrierefrei.pdf

 

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Ein Kommentar

  • Ulrich Klonki

    Hallo Norbert,
    bitte nicht den Fehler machen und den Wert „Anzahl Plätze“ mit dem Wert „Prozentuale Versorgung“ gleichzusetzen.

    Beispiel:
    bei 100 Kindern und 30 Plätzen habe ich eine Versorgungsquote von 30%.
    Wenn ich jetzt zusätzlich 20 Plätze schaffe, gleichzeitig die Anzahl Kinder auf 200 steigt, dann liegt die Versorgungsquote, trotz 20 zusätzlicher Plätze, nur noch bei 25%.

    Und das ist:
    – zum Glück der Fall, weil und das wir mehr Kinder haben
    – gleichzeitig das Problem, dass trotz Zubau von Plätzen, die Quote sinkt.

    Wenn wir es dann noch bei jeder im Bau befindlichen Kita mit Klagen und Bürgerinitiativen dagegen zu tun haben und sich die Kitabau-Befürworter sich nicht öffentlich äußern, dann wird es zusätzlich schwierig, zügig zu Bauen.

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