Löhne und Gehälter in systemrelevanten Bereichen: Gebraucht, geschätzt aber unter Wert !

 

Das Projekt „LohnSpiegel“ hat die Erhebung und Analyse von Einkommens- und Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in Deutschland zum Gegenstand. Es wird vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) durchgeführt. Das IAT hatte bereits bei der Entwicklung und Durchführung des Projektes mitgewirkt und in Bezug auf Datenbereinigung und Auswertung mit dem WSI kooperiert.

Die vorliegende Auswertung von Einkommensdaten bezieht sich auf rund 193.000 Datensätze, die von 2018 bis Ende Februar 2020 im Rahmen des Projekts „LohnSpiegel“ durch eine Online-Befragung erhoben wurden. Besondere Aufmerksamkeit wird in der aktuellen Corona-Krise einer Reihe von Berufen gewidmet, die in Bezug auf das Versorgungssystem als systemrelevant und unverzichtbar definiert werden. Es existiert zwar keine genaue Definition, wie die „Systemrelevanz“ eines Berufes festgelegt wird, gleichwohl stehen einige Berufe – insbesondere Logistik-, Gesundheits-, Pflege- und einige Handelsberufe – dabei im Vordergrund. Wegen der Corona-Krise erfahren die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen, vor allem in den Gesundheits-, Lebensmittelhandel- und Logistikberufen sowie Tätigkeiten in den anderen Bereichen der Grundversorgung eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung.

Zudem sind sie auch durch Kundenkontakte einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Inwieweit sich diese gestiegene Wertschätzung in den ausgewählten systemrelevanten Berufen gegenwärtig auch in Bezug auf die Verdienststrukturen widerspiegelt, ist Gegenstand vorliegender Einkommensanalyse. Bereits in der Vergangenheit wurden unter Beteiligung des IAT zahlreiche Berufsanalysen anhand von LohnSpiegel-Daten sowie auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht (vgl. Evans/Ludwig 2019; Bispinck/Öz 2013, 2014, 2016).

Diese Analysen verweisen auf strukturelle Problemlagen hinsichtlich der Einkommens- und Arbeitssituation von Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen. Insbesondere verdienen Beschäftigte in Pflegeberufen, im Verkauf und in Transport- und Logistik im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Durchschnitt weniger. Zudem werden Arbeitsbedingungen auch als belastender empfunden. Die Berufe in den drei Branchen (Gesundheit und Pflege, Handel und Logistik) sind vor allem durch zwei Merkmale gekennzeichnet: Kundennähe und Mobilität. Insbesondere in der mobilen Pflege und Logistik werden die Leistungen vor Ort beim Kunden erbracht. Von den Beschäftigten ist Mobilität gefordert. Kundennähe bei der Erbringung von personennahen und sozialen Dienstleistungen erhöht auch die Ansteckungsgefahr der übertragbaren Krankheiten, wie die jüngsten Zahlen der Erkrankungen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zeigen. Der Fachkräftemangel insbesondere in Pflege und Logistik wird zum größten Teil auf die die Einkommenssituation sowie auf die Arbeitsbedingungen zurückgeführt (Vgl. Öz, 2019).

Wieviel die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen verdienen und wie sich das Einkommen im Vergleich zu den Gesamtbeschäftigten unterscheidet, steht im Mittelpunkt der vorliegenden Analyse. In der LohnSpiegel-Datenbank stehen im gleichen Erhebungszeitraum für ausgewählte system-relevante Berufe rund 17.000 Datensätze zur Verfügung, die eine detaillierte Auswertung ermöglichen. In den einzelnen Tabellen werden jedoch als Bezugsgruppe zum Vergleich die Beschäftigten in üblichen anderen Berufen genommen (176.000). In den einzelnen Tabellen und den Abbildungen werden die abweichenden Fallzahlen gesondert ausgewiesen. Die Liste der systemrelevanten Berufe ist nicht vollständig. Andere Berufe wie Erzieher/in oder Polizist/in lassen sich auch systemrelevant definieren. Wegen der geringen Fallzahlen in der Datenbank konnten sie aber nicht mitberücksichtigt werden.

Die komplette Studie gibt es hier:

https://www.iat.eu/discussionpapers/download/IAT_Discussion_Paper_20_02.pdf

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