Armut von Kindern und Jugendlichen in Herne: jedes dritte Kind in Hartz-IV-Lebensgemeinschaft, Stadtteile mit über 50% Hartz-IV-Betroffenheit, zu geringe Beteiligung am Programm Bildung und Teilhabe

Armut von Kindern und Jugendlichen – ein stiefmütterliches Thema in Herne ?

Neue Studie der Bertelsmann Stiftung verdeutlicht auch Ausmaß in Herne

Die Parteien und Wählergemeinschaften laufen sich bereits für die im September stattfindenden Kommunalwahlen warm. Bis auf eine öffentliche Veranstaltung der Partei „Die Linke“ wurde das enorm wichtige Thema der Armut von Kindern und Jugendlichen in Herne von keiner politischen Organisation angesprochen.

Die neue Studie der Bertelsmann Stiftung vom 22. Juli 2020 bringt hoffentlich neuen Schwung in die Debatte in unserer Stadt zu diesem Problem. Neben Gelsenkirchen mit 41,5 Prozent und Essen mit 33,1 Prozent weist Herne mit 31,2 Prozent den drittschlechtesten Wert der Hartz-IV-Betroffenheit von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahre in Nordrhein-Westfalen aus.

Die Zahlen der Stiftung belegen, dass in den vergangenen fünf Jahren die Anzahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahre, die in Hartz-IV-Lebensgemeinschaften leben müssen, in Herne um fast 9 Prozent gestiegen ist. Im gesamtstädtischen Durchschnitt lebt fast jeder dritte Heranwachsende in Hartz-IV-Lebensgemeinschaften.

Diese Zahl bringt aber leider nicht das gesamte Ausmaß der Problematik der Armut von Kindern und Jugendlichen zum Ausdruck. Die statistischen Werte der Bundesagentur für Arbeit zur Anzahl der Beschäftigten im Niedriglohnbereich (unter 2.300 Euro brutto) in Herne verdeutlichen, dass auch in diesen Lebensgemeinschaften Kinder und Jugendliche von Armut betroffen sind. Nur sie werden statistisch selten erfasst.

In den einzelnen Stadtteilen und Lebenswelten sieht es aber wesentlich dramatischer aus, als der städtische Durchschnitt zeigt. In den vergangenen Jahren stellten die Herner Statistiker in einzelnen Zählbezirken eine Hartz-IV-Betroffenheit von Kindern und Jugendlichen von weit über 50 Prozent fest. Leider versäumt es die Stadt Herne die entsprechenden Werte im sogenannten KECK-Atlas zu aktualisieren, was man hoffentlich nicht als Desinteresse an der Lösung des Problems interpretieren muss.

Nach der letzten Herner Sozialkonferenz der Gewerkschaften und des Herner Sozialforums lag der Vorschlag auf dem Tisch, in unserer Stadt einen Runden Tisch zur Förderung von Kindern und Jugendlichen einzurichten. Dieser Vorschlag ist nach wie vor aktuell.

gez. Norbert Kozicki

Dipl.Soz.Wiss. (Mitwirkender Herner Sozialforum)

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