Wachstumsgeschichten von Senioren und der Stadt Herne: Überschuldung 2020

Verschuldung: Herne auf einem Spitzenplatz mit dem größten Zuwachs

Wachstumsgeschichten: Die Zahl der überschuldeten Senioren steigt und steigt

Bei einer differenzierten Auswertung der Entwicklungen im Bereich der Überschuldung wird dieser besorgniserregende Trend diagnostiziert: „Überschuldung der Zukunft: alt und weiblich“. Das hat die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem SchuldnerAtlas kurz und schmerzhaft niedergeschrieben. Also in ihrem SchuldnerAtlas 2018, denn das Zitat stammt aus diesem Beitrag vom 15. November 2018: Zu viele Schulden. Nein, nicht in Griechenland oder Italien, sondern mitten unter uns. Zum SchuldnerAtlas 2018 und den Ausstrahlungen der Altersarmut. Und auch im darauffolgenden Jahr findet man hier einen entsprechenden Beitrag, der am 21. November 2019 veröffentlicht wurde: Überschuldung: Etwas Licht von oben betrachtet, zugleich ganz viel Schatten bei den Älteren. Auch hier zeigen sich die Auswirkungen von Altersarmut: »Die Altersüberschuldung nimmt weiter deutlich zu und die Beobachter sprechen von einer „besorgniserregenden Entwicklung“. Vor allem in der Altersgruppe ab 70 Jahren: Gut 380.000 Personen aus diesem Kreis gelten mittlerweile als überschuldet, das sind 44,5 Prozent beziehungsweise 118.000 Verbraucher mehr als noch im Vorjahr, wo das Plus ebenfalls schon bei 69.000 Fällen lag.«

Es wird jetzt nicht wirklich überraschen, dass hier an der Fortsetzungsgeschichte weiter geschrieben wird bzw. vor allem mit Blick auf die älteren Menschen leider geschrieben werden muss. Schuldneratlas 2020: Zahl der überschuldeten Senioren steigt rapide an, so ist einer der neuen Berichte zur Überschuldung in Deutschland überschrieben. Und es kann keine Entwarnung gegeben werden, im Gegenteil: »Immer mehr alte Menschen in Deutschland können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Seit 2013 habe sich die Zahl der überschuldeten Verbraucher im Alter ab 70 Jahren mehr als vervierfacht – auf mittlerweile rund 470.000 Betroffene … Zum Vergleich: Die Gesamtzahl aller überschuldeten Personen erhöhte sich im gleichen Zeitraum „nur“ um rund vier Prozent.«

»Allein in den vergangenen zwölf Monaten stieg die Zahl der überschuldeten Senioren ab 70 der Studie zufolge um 23 Prozent. Parallel erhöhte sich in der Altersgruppe der 60 bis 69-Jährigen die Zahl der Überschuldungsfälle um 13 Prozent auf rund 725.000. „Das Phänomen der Altersüberschuldung gewinnt noch stärker als in den Vorjahren an Bedeutung“, warnte der Geschäftsführer von Creditreform Boniversum, Michael Goy-Yun.«

Das muss auch und gerade vor diesem Hintergrund gesehen werden: »Die Überschuldung der Verbraucher in Deutschland hat 2020 trotz der Corona-Pandemie nochmals abgenommen. Die Zahl überschuldeter Privatpersonen in Deutschland hat sich um 69.000 Personen auf 6,85 Millionen verringert. Die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen in Deutschland, ist leicht auf 9,87 Prozent gesunken.« So die Creditreform in ihrer Mitteilung Überschuldung in Deutschland: Ruhe vor dem Sturm? Die Langfassung mit detaillierten Ausführungen findet man hier:

➔ Creditreform (2020): SchuldnerAtlas Deutschland 2020. Überschuldung von Verbrauchern, Neuss, 10. November 2020

Im diesjährigen SchuldnerAtlas 2020 findet man auch einen Gastbeitrag des Vorsitzenden der Tafel Deutschland, Jochen Brühl: „Mangelernährung und Schulden – allgegenwärtig und doch zu oft übersehen“, so ist der überschrieben (Creditreform 2020: 61-67). Dort finden wir diesen Hinweis:

»Laut der letzten Erhebung aus dem Jahr 2019 nutzen bundesweit 1,65 Millionen Menschen die Angebote der Tafeln. Davon sind im Bundesdurchschnitt 44 Prozent Erwachsene im erwerbstätigen Alter, 30 Prozent sind Kinder und Jugendliche und 26 Prozent sind Senioren. Besonders die Anzahl der Senioren sowie der Kinder und Jugendlichen ist innerhalb nur eines Jahres alarmierend gestiegen, um 20 Prozent beziehungsweise 10 Prozent.«

Brühl führt weiter aus: »Obwohl es jeden treffen kann und die Tafeln aus Prinzip für alle offen sind, gibt es zwei bedenkliche Trends, die sich in den letzten Jahren abgezeichnet haben. Die erste Entwicklung ist, dass es eine Zunahme der Zahl der Senioren gibt, die auf die Unterstützung durch die Tafeln angewiesen sind. Von 2018 auf 2019 ist diese Zahl um 20 Prozent gestiegen. Studien prognostizieren, dass, sollte es nicht zu einem radikalen politischen Kurswechsel kommen, bereits in 15 Jahren jede fünfte Rentnerin oder jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht sein wird. Ein zweiter besorgniserregender Trend ist, dass zunehmend Familien mit Kindern und Jugendlichen auf die Hilfe der Tafeln angewiesen sind.«

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