Kandidat Laschet: Werde die BRD regieren wie NRW! Katastrophaler Lehrkräfte-Mangel in NRW !

Fast 1.500 Lehrkräfte in NRW fehlen an Grundschulen

#IhrFehlt: 4.000 Lehrkräfte zu wenig in NRW

Wir rütteln die Politik wach mit unserer Aktion „#IhrFehlt für gute Schule“ an 9 Standorten in NRW ab 9. September 2021

4.000 Lehrer*innen fehlen in NRW! Eine kaum vorstellbare Anzahl. Kollegien, Schüler*innen, Eltern und das gesamte Bildungssystem leiden unter nicht besetzten Stellen an Schulen. Wir rütteln die Politik wach: Macht mit bei unserer Aktion gegen Lehrkräftemangel „#IhrFehlt für gute Schule“! Die GEW NRW positioniert an neun Standorten in NRW vom 9. bis 21. September 2021 Alufiguren. Die 40 menschengroßen Aufsteller stehen symbolisch für die 4.000 Kolleg*innen, die dringend gebraucht werden. Neben den Aktionstagen vor Ort sammeln wir unter dem Hashtag #IhrFehlt Selfies – seid dabei!

Seit vielen Jahren können ausgeschriebene Stellen für Lehrkräfte an Schulen nicht mehr vollständig besetzt werden. Besonders gilt das für die Grundschulen und trifft genauso auf die Stellen für Sonderpädagog*innen an Förderschulen und vor allem an Schulen des Gemeinsamen Lernens zu. Insgesamt sind an NRWs Schulen rund 4.000 Stellen nicht besetzt; zum Start in das Schuljahr 2021/2002 1.450 allein an Grundschulen und mehr als 600 an Förderschulen.

MSB-Maßnahmen für Stellenbesetzung an Schulen laufen in die falsche Richtung

Die Landesregierung hat vier Maßnahmenpakete gegen den Lehrkräftemangel auf den Weg gebracht und mit einer groß angelegten Werbekampagne für den Beruf geworben. Allerdings greifen Maßnahmen zu kurz, die nur darauf zielen, dass Stellen irgendwie besetzt werden und eine angemessene Qualifizierung außer Acht lassen.

Die Realität zeigt: Werbekampagnen laufen ins Leere, wenn die Bezahlung an den Grundschulen nicht an andere Lehrämter angeglichen wird und die Arbeitsbedingungen an den Grund- und Förderschulen sich nicht deutlich verbessern.

Die GEW NRW stellt daher fest: Das Ziel, den Lehrkräftemangel zu verringern, wurde bis heute nicht erreicht. Beste Bildung braucht aber ausreichend qualifiziertes Personal – und zwar an jeder Schule in NRW.

Mit der Aktion „#IhrFehlt für gute Schule“ rütteln wir die Politik wach und fordern

  • Studienplätze für Lehramt Sonderpädagogik und Lehramt Grundschule erhöhen
  • Qualifizierungsinitiative starten für eine berufsbegleitende Aus- und Fortbildung
  • Versorgung mit ausreichend qualifiziertem Personal an jeder Schule sicherstellen
  • Zusätzlicher Einsatz weiterer pädagogischer Professionen (Multiprofessionalität) zur Absicherung einer guten Förderung
  • Alle Lehrkräfte gleich nach A 13 Z/ EG 13 im Eingangsamt bezahlen

#IhrFehlt für gute Schule: So könnt ihr mitmachen

Wir starten unsere Tour durch NRW am 9. September 2021:

  • 09.09.2021 ab 12 Uhr in Düsseldorf auf der Landtagswiese
  • 14.09.2021 ab 15 Uhr in Duisburg vor dem Brunnen „Live Saver“ in der Königsstraße
  • 10.09.2021 ab 12 Uhr in Essen auf dem Willy-Brandt-Platz
  • 14.09.2021 ab 15 Uhr in Wuppertal auf dem Kerstenplatz
  • 15.09.2021 ab 15 Uhr in Detmold auf dem Marktplatz
  • 16.09.2021 ab 15 Uhr in Hagen auf dem Marktplatz (Kreuzung Frankfurter Straße und Bergischer Ring)
  • 17.09.2021 ab 15 Uhr in Recklinghausen auf dem Rathausplatz
  • 21.09.2021 ab 14 Uhr in Köln auf dem Neumarkt
  • 22.09.2021 ab 14 Uhr in Remscheid in der Alleestraße

Wer es nicht zu einem der Termine schafft, macht einfach ein Selfie mit den Silhouetten auf unserem Flyer. Den Flyer bekommt ihr über eure Schule oder bei der GEW NRW vor Ort. Alle Postings in den Sozialen Medien unter dem Hasgtag #IhrFehlt werden auf unserer Social Wall gesammelt.

Mehr Hintergrundwissen zum Lehrkräftemangel und dem Mangel an Sonderpädagog*innen

Befristete Stellen und Kettenverträge für Lehrkräfte an Grundschulen

Zum 1. Juni 2021 waren 1.440,77 Stellen an Grundschulen unbesetzt. Als besetzt gelten dabei auch alle Stellen, auf die Lehrkräfte mit anderem Lehramt (meist befristet) oder Kolleg*innen ohne jegliche Lehramtsausbildung eingestellt wurden. Letztere helfen befristet an den Grundschulen aus und hangeln sich oft von Vertrag zu Vertrag (Kettenverträge), ohne dafür qualifiziert zu werden.

Seiteneinsteiger*innen, die langfristig an den Grundschulen bleiben, erhalten lediglich eine sechsmonatige Einführung und können weder das volle Lehramt noch die Lehrerlaubnis für weitere Fächer erwerben.

Schüler*innen, Kolleg*innen und Schulen leiden unter dem System

Für die Schüler*innen bedeutet das: Bezugspersonen wechseln häufig, die Qualität des Unterrichts hängt stark von der individuellen Persönlichkeit der Lehrkraft ab, wenn der professionelle Background fehlt.
Für die Kolleg*innen bedeutet das: Sie zeigen oftmals hohes Engagement, erhalten aber keinerlei systematisch Unterstützung zur Bewältigung ihrer anspruchsvollen Aufgabe. Auch fehlt eine echte Perspektive für den Verbleib an der Grundschule.

Für die Schulen bedeutet das: Zu häufig müssen neue Kolleg*innen eingearbeitet werden. Wenn Lehrkräfte fehlen, sind Schulleitung oft gezwungen beispielsweise Seiteneinsteiger*innen mit dem Fach Sport auch für Fächer wie Deutsch und Mathematik oder als Klassenleitung einzusetzen.

Der Lehrkräftemangel ist zudem regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Besonders stark betroffen sind einige Städte im Ruhrgebiet. Dort kann zu den Einstellungsterminen häufig nur jede zweite Stelle mit einer ausgebildeten Lehrkraft besetzt werden und der Hälfte des Kollegiums fehlt die Qualifikation für das Lehramt Grundschule oder Sonderpädagogik. Damit verschärft sich die soziale Ungleichheit, weil besonders Stadtviertel mit eher bildungsfernen, sozial benachteiligten Milieus auf den größten Lehrkräftemangel treffen.

Wachsender Mangel: Sonderpädagog*innen fehlen an allen Schulformen

Auch der Mangel an Sonderpädagog*innen hat sich in den letzten Jahren massiv verschärft. Im Förderschulbereich sind an immer mehr Schulen nur 80 Prozent oder weniger der benötigten Stellen besetzt. Hinzu kommen zahlreiche Quereinsteiger*innen ohne Lehramtsbefähigung und Kolleg*innen mit anderem Lehramt, die immer wieder befristet an Förderschulen eingestellt werden, und die bei den besetzten Stellen schon eingerechnet sind. Sie bringen in der Regel aber keine sonderpädagogische Expertise mit. Eine echte Weiterqualifizierungsmöglichkeit gibt es für die oft sehr engagierten Beschäftigten aktuell nicht.

Gleichzeitig fehlen im Gemeinsamen Lernen Sonderpädagog*innen in dramatischem Umfang: Die Landesregierung schreibt die Stellen daher teilweise direkt für andere „pädagogisch affine“ Berufe aus und spricht von „Multiprofessionalität“. Die sonderpädagogische Expertise kann hierdurch aber nicht ersetzt werden, lediglich der Mangel an Lehrer*innen wird kaschiert.

Ohne Plan in die Zukunft: Gute Bildung braucht Verlässlichkeit!

Für viele Kinder an Schulen des Gemeinsamen Lernens bedeutet das: Sie erhalten teilweise wenig bis keine sonderpädagogische Förderung. Die Neuausrichtung der Inklusion an den Grundschulen ab dem Schuljahr 2021/2022 kann unter diesen schlechten Voraussetzungen nicht gelingen.

Vom Ministerium für Schule und Bildung (MSB) liegt keine echte Bedarfsprognose für die kommenden Jahre vor, wie viele Sonderpädagog*innen aufgrund der zu erwartenden Schüler*innenzahlen und der Anzahl der Kolleg*innen, die aus dem Erwerbsleben ausscheiden, perspektivisch benötigt werden. Nur auf der Grundlage einer solchen verlässlichen und durch das Schulministerium erstellten Bedarfsermittlung lassen sich weitere Schritte zielgerichtet planen. Klar ist aber, dass der Lehrkräftemangel weiter anwachsen wird.

Die GEW NRW setzt mit 40 menschengroßen Figuren an neun Standorten in NRW ein Zeichen und fordert die Politik auf, verlässliche Prognosen zu erstellen, auf denen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels aufgebaut werden können. Denn: #IhrFehlt für gute Schule!

Frauke Rütter, Referentin der GEW NRW für den Bereich Schule
Susanne Huppke, ehrenamtliche Expertin der GEW NRW für die Grundschule

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