»Im Januar übermittelten nordrhein-westfälischen Einrichtungen den Landesjugendämtern über 2.700 Mal die Meldung, dass die normale Betreuung nicht zu gewährleisten sei. In der Folge gab es fast hundert Schließungen und knapp 1.400 Teil- oder Gruppenschließungen.« In einem Monat.

Geht der Kindertagespflege die Luft aus?

Das Thema „Kita-Notstand“ füllt mittlerweile Regalmeter an Berichten. »Das System kollabiert leise, jeden Tag ein bisschen mehr. Noch läuft der Alltag, weil Erzieherinnen und Erzieher sich aufreiben, um die Lücken zu schließen. Aber in vielen Kitas reichen die Kräfte nicht mehr. Deutschlandweit meldeten Kitas den Jugendämtern im vergangenen Kita-Jahr tausendfach, dass sie die Betreuung nicht mehr gewährleisten konnten und früher oder zeitweise ganz schließen musste. Weil sie zu wenig Personal hatten«, so beginnt beispielsweise dieser Artikel, der im November 2023 veröffentlicht wurde: Kitanotstand: Wie das System versagt. Und aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird diese Tage berichtet: »Eine neue Studie macht Eltern keine Hoffnung – und Kita-Beschäftigten auch nicht: Im Jahr 2030 werden mindestens 16.000, im schlechteren Fall mehr als 20.000 Fachkräfte fehlen.« Dabei beziehen sich die Zahlen zu den fehlenden Fachkräften „nur“ auf die Kindertageseinrichtungen, andere Betreuungsbereiche mit Personalbedarf, wie die Ganztagsbetreuung an Grundschulen, sind hier noch gar nicht berücksichtigt, so der Artikel Dramatischer Personalmangel in NRW-Kitas bleibt für viele Jahre. Die Zahlen basieren auf einer umfassenden Studie, die Thomas Rauschenbach, der ehemalige Leiter des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im nordrhein-westfälischen Landtag präsentiert hat. Sein ernüchterndes Fazit: „Es gibt mit Blick auf die Zukunft keine Signale: Es wird alles wieder gut.“

➔ Bereits derzeit fährt das System auf Verschleiß und die Ausfälle häufen sich – mit fatalen Folgen für die Familien (und auch für die Beschäftigten selbst): »Im Januar übermittelten nordrhein-westfälischen Einrichtungen den Landesjugendämtern über 2.700 Mal die Meldung, dass die normale Betreuung nicht zu gewährleisten sei. In der Folge gab es fast hundert Schließungen und knapp 1.400 Teil- oder Gruppenschließungen.« In einem Monat.

Dabei haben wir Jahre hinter uns, in denen es einen gewaltigen Wachstumsschub gegeben hat – sowohl bei der Zahl der Kinder in öffentlich geförderter Kindertagesbetreuung wie auch mit Blick auf das Personal in diesem Bereich.

So hat erst im Januar 2024 das Statistische Bundesamt unter der Überschrift Kita-Betreuung: 51 % mehr pädagogisches Personal im März 2023 als zehn Jahre zuvor gemeldet: »Rund 702.200 Betreuungskräfte arbeiteten zum 1. März 2023 in Kindertageseinrichtungen … Im Jahr 2013, als der Rechtsanspruch auf Betreuung für ein- bis dreijährige Kinder in Kraft trat, waren noch 465.000 Personen pädagogisch tätig.« Was für ein Aufwuchs. »Die Zahl der betreuten Kinder in Tageseinrichtungen ist im selben Zeitraum um 22 % gestiegen – von 3,21 Millionen im Jahr 2013 auf 3,93 Millionen in 2023. Der Anstieg ist vor allem auf den Ausbau der Betreuung unter Dreijähriger zurückzuführen: 721.600 Kinder unter drei Jahren wurden zuletzt in Tageseinrichtungen betreut, das waren 43 % mehr als zehn Jahre zuvor (503.900).« Und die Betreuung der Kinder unter drei Jahren ist natürlich deutlich personalintensiver als die der älteren Kinder.

»Obwohl die Zahl der pädagogischen Betreuungskräfte binnen zehn Jahren stärker gestiegen ist als die Zahl der betreuten Kinder, gilt die Personalsituation in vielen Kitas als angespannt. Das liegt unter anderem am stärkeren Anstieg der Zahl unter Dreijähriger in Betreuung, die eine intensivere Betreuung brauchen als ältere Kinder. So kamen 2022 in Gruppen mit Kindern unter drei Jahren auf eine Betreuungskraft im Schnitt 4,0 Kinder, in Gruppen ab drei Jahren bis zum Schuleintritt waren es fast doppelt so viele Kinder pro Betreuungskraft (7,8). Ein weiterer Grund für die personelle Notlage vieler Kitas dürfte darin liegen, dass der Anteil der Kita-Betreuungskräfte in Vollzeit vergleichsweise gering ist: 66 % des pädagogischen Kita-Personals im Jahr 2023 arbeiteten weniger als 38,5 Stunden pro Woche (2013: 65 %).«

Die Kindertagespflege gibt es auch noch

Nun gibt es nicht nur die Kindertageseinrichtungen, sondern auch parallel (und gesetzlich formal gleichrangig) die Kindertagespflege. Dazu findet man in der Meldung des Statistischen Bundesamtes diesen kleinen Absatz:

»In der Tagespflege waren 2023 rund 41.200 Tagesmütter und Tagesväter tätig, 6 % weniger als im Jahr 2013. Dagegen nahm die Zahl der betreuten Kinder in der öffentlich geförderten Tagespflege im selben Zeitraum um 19 % auf 166.700 zu. Darunter waren 135.500 Kinder unter drei Jahren (+43 % gegenüber 2013).«

Hier gibt es also keine personelle Expansion, ganz im Gegenteil.

Da lohnt ein genauerer allgemeiner Blick auf dieses besondere Feld der Kindertagesbetreuung. Dazu diese neue Veröffentlichung:

➔ Pascal Hartwich und Thomas Rauschenbach (2023): Quo vadis Kindertagespflege? Ein Angebot im Schatten der Kita auf dem Prüfstand, in: KomDat. Kommentierte Daten der Kinder- & Jugendhilfe, Heft 2-3/2023, Dezember 2023, S. 29 ff.

»Der gezielte Ausbau der Kindertagespflege (KTP) als gleichrangiges Förder- und Betreuungsangebot für unter 3-jährige Kinder ist mit Blick auf die Kindertagespflegepersonen (KTPP) in den vergangenen Jahren mehr und mehr ins Stocken geraten …: erst eine dynamische Wachstumsphase bis 2011 mit Zuwachsraten von bis zu 10% (von rund 33.100 auf 42.700 Tagespflegepersonen), danach eine weitgehend anhaltende Stagnation auf diesem Niveau bis 2020 – und anschließend ein deutlicher Rückgang um mehr als 3.500 Personen auf zuletzt nur noch etwas mehr als 41.000 KTPP bis zum Frühjahr 2023.«

➔ Man muss darauf hinweisen, dass in der Kindertagespflege nicht nur „Kita-Kinder“ statt in Kitas betreut werden, sondern es gibt auch Kombinationsbetreuung sowie die Betreuung von Grundschulkindern. Mit Blick auf die immer wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Debatten stehende Betreuung der Kinder unter drei Jahren: Gegenwärtig liegt der prozentuale Anteil der Tagespflege an der gesamten Kindertagesbetreuung für Kinder unter 3 Jahren bei 15 Prozent.

Dabei sei der Rückgang bei der Anzahl der Tagespflegepersonen seit 2020 ein ebenso auffälliger wie stabiler Befund, dem in Anbetracht der dringend benötigten Plätze in der Kindertagesbetreuung bislang überraschend wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, so Hartwich/Rauschenbach.

Obgleich mit Blick auf das Personal bereits in den 2010er Jahren deutliche Stagnationstendenzen zu erkennen sind, gab es bei der Zahl der betreuten Kinder in den Tagespflegearrangements bis zum Jahr 2020 einen kontinuierlich Anstieg.

Die asynchrone Entwicklung der Personal- und Kinderzahlen in der Tagespflege zwischen 2007 und 2020 geht einher mit einer drastischen Veränderung der Betreuungsrelation:

»Betreute eine Tagespflegeperson im Jahr 2007 noch durchschnittlich 2,2 Kinder, waren es im Jahr 2022 im Mittel rund 4,0 Kinder und damit nahezu doppelt so viele. Diese Veränderung verlief in Westdeutschland wesentlich dynamischer als in Ostdeutschland. War eine Tagespflegeperson in Westdeutschland im Jahr 2007 im Mittel für 2,0 Kinder zuständig, waren es 2022 4,0 Kinder pro Person.«

»In den ostdeutschen Bundesländern etablierte sich seit den 1990er-Jahren eine von Anfang an berufsnähere Ausübung der Tagespflege mit – statistisch betrachtet – mehr betreuten Kindern pro Pflegeperson. Dies entspricht eher einer berufsmäßigen Ausübung der Tagespflege in Vollzeit, die den eigenen Lebensunterhalt absichern soll … Die Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik zeigen, dass auf eine Tagespflegeperson in Ostdeutschland bereits 2007 durchschnittlich 3,2 Kinder entfielen. Dieses Verhältnis hat sich im Verlauf der Jahre, mit zwischenzeitlicher Stagnation, bis zum Jahr 2022 auf 4,0 Kinder je Tagespflegeperson erhöht.«

Quelle: Autorengruppe Fachkräftebarometer (2023): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2023, Bielefeld 2023, S. 79

Und dieser Veränderungsprozess wird dann so eingeordnet: Die Zunahme der Zahl der betreuten Kinder in der Tagespflege sei ein „Hinweis für ein verändertes Erwerbsverständnis“. Was ist damit gemeint?

»Da die Möglichkeit, mit der Kindertagespflege ein existenzsicherndes Einkommen zu generieren, in hohem Maß von der Zahl der betreuten Kinder abhängt, ist die veränderte
Betreuungsrelation unter anderem ein Zeichen für den voranschreitenden Prozess der Verberuflichung.«

Existenzsicherung via Kindertagespflege?

Vor diesem Hintergrund sollten dann solche Meldungen aufhorchen lassen:

»Ihr Gehalt erreicht kaum Mindestlohn-Niveau, die Zuschüsse decken die eigenen Kosten selten: In Frankfurt hören immer mehr Tageseltern auf«, berichtet Emal Atif aus Frankfurt am Main unter der Überschrift Immer mehr Tageseltern in Frankfurt hören auf. Dort wird von Andrea O Cuin als Beispiel angeführt:

»Die 60-Jährige betreut in Frankfurt drei Kleinkinder im Alter von eins bis drei Jahren, während ihr Mann sich um vier weitere kümmert. Als Tageseltern malen, singen und essen sie zusammen mit den Kindern, wickeln und bringen die Kleinen in den Mittagsschlaf. Doch hinter der liebevollen Fassade kämpft das Paar mit finanziellen Sorgen.
„Wir ermöglichen anderen Eltern, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen, kommen aber selbst nur schwer über die Runden“, erklärt O Cuin. „Für drei Kinder bekomme ich umgerechnet 11,43 Euro brutto – also noch nicht mal Mindestlohn.“ Dieser beträgt aktuell 12,41 Euro pro Stunde.
Dazu komme eine Pauschale beispielsweise für Essen und Trinken. „Da zahle ich meistens drauf, weil ich den Kindern immer Bio geben will“, sagt O Cuin. Wenn sie länger krank werde, bekomme sie als Selbstständige gar kein Geld. Von den Eltern dürfe sie auch kein weiteres Geld annehmen.«

➔ »Das Einkommen der Tageseltern setzt sich aus zwei Quellen zusammen: Fördermittel und eine Sachkostenpauschale. Die Fördermittel werden von der Stadt und vom Land bereitgestellt. Während der Landesanteil konstant bleibt, hängt der städtische Anteil von der Anzahl der betreuten Kinder ab. Bis zum dritten Kind erhalten Tageseltern eine Förderung von 714 Euro pro Kind. Wer vier oder fünf Kinder betreut, erhält nur noch 545 Euro pro betreutem Kind. Mehr als fünf Kinder dürfen nicht betreut werden. Diese Kürzung, auch Degression genannt, ist seit Jahren umstritten.
Zusätzlich erhalten die Tageseltern eine Sachkostenpauschale von 300 Euro pro Kind, die von der Stadt gezahlt wird. Diese Pauschale wurde seit 2008 nicht mehr erhöht, obwohl die Kosten deutlich gestiegen sind. Die Tagesfamilien bezahlen damit Miete, Nebenkosten, Verpflegung der Kinder, Spielsachen und weiteres.«

Man kann sich vorstellen, welchen Schneisen der Verwüstung allein die Inflationsentwicklung geschlagen hat, die wir seit Mitte 2021 erlebt haben. Und die Pauschale ist seit 2008 (!) nicht mehr angehoben worden.

Die Folgen dieser restriktiven Ausgestaltung der Einnahmenseite lassen sich dann an solchen Zahlen besichtigen: »Die Zahl der aktiven Tagesmütter und -väter in Frankfurt ist drastisch gesunken. Waren es 2017 noch 545, sind heute nur noch 344, die zusammen mehr als 1.000 Kinder betreuen.«

Es ist nicht so, dass man das vor Ort, bei der Stadt Frankfurt am Main, nicht sieht und nichts ändern will. Mit einer neuen Satzung sollten ab 1. Januar unter anderem die Degression abgeschafft und die Förderleistung angehoben werden. Die Sachkostenpauschale sollte außerdem auf 400 Euro steigen.

Aber: Die Rettung für die Tagesfamilien verzögert sich, »da das Frankfurter Rechtsamt Bedenken an der Rechtmäßigkeit des Entwurfs äußerte.« Der vorliegende Satzungsentwurf müsse überarbeitet werden. Man muss wissen: Seit Jahren verhandeln Tagesfamilien in Frankfurt mit der Stadt über eine bessere Bezahlung. Vgl. nur als ein Beispiel dazu den Bericht Frankfurter Tagesfamilien am Existenz-Limit. Der wurde im März 2023 veröffentlicht, also vor fast genau einem Jahr.

Auch in der FAZ wurde die Situation in Frankfurt am Main aufgegriffen: Inflationsbereinigt ein Viertel weniger Gehalt, so hat Rainer Schulze seinen Beitrag überschrieben. Er zitiert in seinem Artikel Lisanne Bezler, eine der Sprecherinnen der Tagesmütter und der wenigen Tagesväter, die sich in der Interessengemeinschaft der Frankfurter Tagesfamilien (TaMaPaKi) zusammen geschlossen haben. »Seit 2017 verhandeln Bezler und ihre Kolleginnen mit dem Bildungsdezernat über eine gerechtere Entlohnung. Damals gab es noch 540 aktive Tagesfamilien in Frankfurt. Heute sind es nur noch 345, die zusammen mehr als 1000 Kinder betreuen. In den vergangenen sieben Jahren haben also fast 200 Tagesfamilien aufgegeben.

Bezler betreut selbst fünf Kinder im Alter von ein bis drei Jahren. Vor neun Jahren hat sie sich als Tagesmutter selbständig gemacht und „Lisas Garten­zwerge“ gegründet. Sie werde nicht angemessen entlohnt. 43 Stunden in der Woche ist sie im Einsatz. Ihr Stundenlohn beträgt 14,81 Euro. Als Selbstständige, nicht als abhängig Beschäftigte. Als Selbständige müssen sich Tagesmütter absichern und Rück­lagen bilden. Doch das gelingt kaum: „Keiner kann sich eine zusätzliche Rentenversicherung leisten, die eigentlich nötig wäre.“

Und dann die angesprochene Inflation: „Die Inflation bedeutet für uns, dass unser Gehalt seit 2010 fast ein Viertel seines Werts verloren hat.“ Um die Preissteigerung auszugleichen, hat die Stadt sich zu zwei Einmalzahlungen von jeweils 300 Euro je Kind bereiterklärt. „Das hilft uns kaum“, meint Bezler. Sie hat umgerechnet, was man sich, nach Abzug der Steuern, davon leisten kann: „Wir können uns davon ein bis zwei Gurken pro Woche mehr kaufen.“

Jetzt geht die Hängepartie wie beschrieben erst einmal weiter, das Vertrauen ist verbraucht und weg.

»Vor einer Woche rief eine Kollegin aus Schwanheim an: Sie hört Ende März auf und hat den Eltern die Betreuungsplätze gekündigt. Wieder eine Tagesfamilie weniger. Da waren es nur noch 344.«

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das sind nicht nur Probleme, die man aus Frankfurt am Main berichtet bekommt. Zu den Klagen über die teilweise unhaltbaren Zustände in der Kindertagespflege, was die Vergütung dieses wichtigen Bereichs der Kindertagesbetreuung angeht, kann man ebenfalls Regalmeter an Material befüllen.

Nur ein Beispiel aus Köln – bereits im vergangenen Jahr wurde dort die Arbeit zu „Discountpreisen“ angeprangert: Kölner Kindertagespflege demonstriert für ihren Erhalt. Auch hier ging (und geht) es um die Einnahmenseite: »In den zurückliegenden fünf Jahren sei die Miete um 30 Prozent gestiegen, sagte er. Der städtische Mietzuschuss dagegen sei gleich geblieben; seit 2015 beträgt er einen Euro pro Kind und Stunde.« Die Interessengemeinschaft Kölner Tageseltern forderte 1,30 Euro. Auch sonst wird die Vergütung der öffentlichen Hand, die zu den einkommensabhängigen Elternbeiträgen hinzukommt, als zu gering in Zeiten von Inflation und stark gestiegener Energiepreise kritisiert: »Tageseltern erhalten von der Stadt festgelegte Stundensätze pro betreutem Kind. Sie setzen sich aus einer Förderleistung von aktuell 3,61 Euro und einem seit 2013 unveränderten Sachkostenbeitrag in Höhe von 1,73 Euro zusammen; macht in Privaträumen 5,34 Euro und in eigens angemieteten Räumen 6,34 Euro.« Und auch hier: »Zurzeit wird der Zuschuss zu den Sachkosten neu berechnet.«

„Auch in diesem Jahr haben viele Kollegen und Kolleginnen aus finanziellen Gründen oder, weil sie unter den gegebenen Umständen am Ende ihrer Kräfte waren, die Kindertagespflege verlassen.“ Sagt Kirsten Wüpping, Sprecherin der Interessengemeinschaft Kölner Tageseltern. Das war im nunmehr vergangenen Jahr 2023.

Sollte nicht endlich ein spürbarer Ruck durch die kommunale Landschaft gehen, dann wird auch das Jahr 2024 von zahlreichen Aufgaben im Bereich der Kindertagespflege geprägt werden.

Und das muss man auch deshalb kritisch sehen, weil es in den zurückliegenden Jahren einen enormen Formenwandel der Kindertagespflege gegeben hat: »Die Kindertagespflege hat sich von einem ursprünglich primär westdeutschen Nischenangebot mit einem nur schwer fassbaren Profil zu einer zweiten Säule der öffentlich verantworteten und geförderten Kindertagesbetreuung entwickelt« (Autorengruppe Fachkräftebarometer 2023: 76).

Und vor diesem Hintergrund (verstärkt durch die formale Gleichrangigkeit zur Kindertageseinrichtung im SGB VIII) hat die öffentliche Hand auch eine dem öffentlichen Aufgabenzuwachs (und der damit verbundene Regulierung) entsprechende Finanzierungsverantwortung. Seit Jahren drückt man sich um die Einlösung dieser Verpflichtung herum und gleichzeitig schickt man die Tageseltern, die eigentlich als Scheinselbstständige im öffentlichen Auftrag unterwegs sein müssen, in eine Existenzkrise, in der sie noch nicht einmal die basale Absicherung erfahren, wie sie bei „normalen“ Beschäftigten gegeben ist. Und mit den rückläufigen Angeboten vernichtet man nicht nur Existenzen, sondern auch Angebote für Kinder, gerade sehr kleine, vulnerable Kinder, von denen einige von den Besonderheiten der Tagespflege besonders profitiert haben, für die eine Unterbringung in einer Kindertageseinrichtung keine gute Alternative wäre. Aber selbst wenn man das wie bekannt ignorieren würde – derzeit wird sich die Frage nach einer Ersatz-Betreuung in einer normalen Kita für viele Betroffene gar nicht beantworten lassen, denn es fehlen vorne und hinten Kita-Plätze. Womit wir wieder beim Einstiegspunkt dieses Beitrags angekommen wären: Kita-Notstand.

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