Armutsregion Ruhrgebiet: Tatsachen, Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten – eine Broschüre der Fraktion Die LINKE im Regionalverband Ruhr

Armut, Langzeitarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung endlich ernsthaft bekämpfen

Linke Positionen zur Entwicklung des Strukturwandels im Ruhrgebiet

Wenn der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland veröffentlicht, wird immer wieder die Verfestigung der Armut im Ruhrgebiet thematisiert. Am drastischsten hat sich hierbei die Armut von Kindern und Jugendlichen im Revier entwickelt. 2013 sprach man davon, dass jedes vierte Kind in der Region in materieller Armut lebt. Die letzte Studie des Kinderhilfswerks Unicef »Faire Chancen für jedes Kind« (hrsg. im Juni 2017), die die Entwicklung der letzten sieben Jahre in den Großstädten Deutschlands in den Blick genommen hat, kommt zu dem Schluss, dass die Hauptstadt Berlin und das Ruhrgebiet den »Spitzenplatz« bei Kinderarmut einnehmen.

Während in Städten wie Leipzig und Dresden die Zahl der von Armut betroffenen Kinder sank, steigt in Städten wie Essen und Dortmund die Zahl der Familien, in denen Kinder in materieller Armut leben. So leben rund ein Drittel der Familien mit Kleinkindern von Hartz IV in diesen beiden Städten. Kinderarmut bedingte Elternarmut.

Insgesamt lebten Ende 2016 – neuere Zahlen liegen uns nicht vor – fast 800.000 Menschen im Ruhrgebiet von Transferleistungen, die meisten nach dem SGB II (Hartz IV). Das ist fast jede/ r sechste Einwohner/ in in der Region. Weiterlesen

„Ein Beitrag gegen Altersarmut aus Sicht der Groko“: RentnerInnen finanzieren Mütterrente mit

Die geplante Mütterrente II wird bei unverändertem aktuellem Rentenwert die Rentenausgaben um jährlich 3,5 Milliarden Euro erhöhen. Begünstigt werden Rentnerinnen mit vor 1992 geborenen Kindern bei mindestens drei Kindern. Nach Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) betrifft dies fast ein Viertel aller Rentnerinnen. Simulationsrechnungen zeigen, dass die Mütterrente II über-proportional Rentnerinnen mit niedrigen Haushaltseinkommen zugutekommt, da diese häufiger drei oder mehr Kinder haben. In den unteren 20 Prozent der Einkommensverteilung steigen die Einkommen der begünstigten Rentnerinnen um durchschnittlich sechs Prozent, bei alleinlebenden Frauen ab 75 Jahren um 8,5 Prozent. Die übrigen Rentnerhaushalte werden mit durchschnittlich 0,4 Prozent des Einkommens belastet, da die Reform die Rentenanpassungen der kommenden Jahre reduzieren wird.

Die verringerte Rentenanpassung macht in den nächsten Jahren etwa 40 Prozent des Ausgangs-finanzierungsvolumens der Reform aus – insoweit wird die Reform von der Rentnergeneration mit finanziert. ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen werden durch höhere Rentenbeitragssätze belastet.

Zudem steigt der steuerfinanzierte Bundeszuschuss, was die SteuerzahlerInnen belastet.

Zum DIW-Wochenbericht zum Thema Mütterrente:

DIWWochenberichtMütterrente

Neue Zahlen zu den SGBII-Quoten von Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) im Bund und Länder

Erstellt: 11. Juli 2018

(BIAJ) Unkommentierte BIAJ-Tabelle zu unverheirateten Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) im Dezember 2016 und Dezember 2017 (Bund und Länder). Bei den für Dezember 2017 berechneten SGB II-Quoten in Spalte 5 (Anteil der unverheirateten Kinder und Jugendlichen im Alter von unter 18 Jahren in SGB-Bedarfsgemeinschaften in Spalte 1 an der Bevölkerung im Alter von unter 18 Jahren) handelt es sich um vorläufige SGB-II-Quoten, da bei Erstellung der Tabelle nur die bis Ende 2016 fortgeschriebenen Bevölkerungsdaten vorlagen.

Kinder und Jugendliche in SGB II-Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) – Dezember 2016 und 2017 (Tabelle)

Altersarmut in NRW: Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Bündnis90-Die Grünen

Deutscher Bundestag Drucksache 18/13420 18. Wahlperiode

Kleine Anfrage
der Abgeordneten Markus Kurth, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn,
Beate Müller-Gemmeke, Brigitte Pothmer, Corinna Rüffer, Katharina Dröge und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Altersarmut in Nordrhein-Westfalen

Die Arbeitswelt wandelt sich. Das sogenannte Normalarbeitsverhältnis ist zwar noch vorherrschend. Doch gerade im vom Strukturwandel geprägten Nordrhein-Westfalen treten neben geschlossene Erwerbsbiographien zunehmend solche, die erzwungene und manchmal auch freiwillige Brüche aufweisen. Prekäre Beschäftigung ist, insbesondere unter Frauen, alles andere als ein Randphänomen. Neue Formen selbständiger Beschäftigung entstehen, die weder über die Rentenversicherung noch über andere Systeme abgesichert sind. Gleichzeitig verfügen
Frauen oft immer noch nicht über eine ausreichende eigenständige Alterssicherung (vgl. WSI-Datenportale, www.boeckler.de/wsi_51469.htm). Abstiegssorgen und die Angst vor Altersarmut werden somit immer mehr zu ernsten Problemen.

Nicht zuletzt aufgrund der grundsätzlichen Zuständigkeit für das Alterssicherungssystem sowie mit Blick auf § 46a des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII), nach dem der Bund den Ländern die Kosten für Grundsicherungsleistungen in vollem Umfang erstattet, fällt diese Entwicklung auch in den politischen Verantwortungsbereich der Bundesregierung.
Wir fragen die Bundesregierung:

1.
Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Alters- sowie Erwerbsminderungsrenten im Jahr des Rentenzugangs in den vergangenen fünf Jahren (bitte Geschlechter getrennt ausweisen)

a)in Nordrhein-Westfalen insgesamt,
b)in den Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens?

2.
Wie groß war nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Empfängerinnen sowie der Empfänger (bitte Geschlechter getrennt ausweisen) von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung im Alter von mindestens 65 Jahren, und wie groß war jeweils der
Anteil an der Gesamtzahl der Personen in dieser Altersgruppe

a) in Nordrhein-Westfalen insgesamt,
b)in den Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens? …(siehe weiter Kleine Anfrage…)

Und nun für die Interessierten die komplette Anwort der Bundesregierung mit den Zahlen für die einzelnen Städte und Kreise in NRW.

AltersarmutinNRW

Neuer Höchststand bei den befristeten Arbeitsverträgen, trotz aller politischen Erklärungen, trotz Fachkräftemangels

Ein Höchststand bei den befristeten Arbeitsverträgen und eine Regierung, die etwas dagegen tun will.

Das alles in Zeiten der Gleichzeitigkeit von „Fachkräftemangel“ und mehr schlechten Jobs

7. Juli 2018 von Stefan Sell

Das sind solche Meldungen, auf die man in der Bundesregierung derzeit auch liebend gerne verzichten würde: So viele befristete Arbeitsverträge wie nie: »2017 hat es 3,15 Millionen befristete Arbeitsverträge gegeben. Die Hälfte davon ist sogar ohne sachlichen Grund befristet.« Über neun Prozent mehr befristet Beschäftigte innerhalb eines Jahres, das sorgt für einen Rekordstand bei den Verträgen auf Zeit. Vor allem die Befristungen ohne Sachgrund legen kontinuierlich zu. Grund genug für eine genauere Analyse der Zahlen, wie sie von Markus Krüsemann veröffentlicht wurde.

Die neuen Zahlen stammen aus dieser Veröffentlichung aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit: Christian Hohendanner: Reform der befristeten Beschäftigung im Koalitionsvertrag: Reichweite, Risiken und Alternativen, Nürnberg 2018. Darin geht es nicht nur um die Entwicklung der Zahlen, sondern auch um das, was die Bundesregierung hier an gesetzgeberischen Aktivitäten plant und auf den Weg gebracht hat. Weiterlesen

Neue Studie zu Armut: „Wie groß die Unterschiede ausfallen, das hat uns dann doch ein wenig überrascht.“

Ein Verdiener reicht heute in vielen Fällen kaum noch aus, um die Familie vor Armut zu bewahren. Ist die Mutter in einer Paarfamilie länger nicht erwerbstätig, leben 32 Prozent der Kinder dauerhaft oder wiederkehrend in Armut. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor. Noch gravierender ist die Situation, wenn die Mutter alleinerziehend und arbeitslos ist: Dann liegt der Anteil bei 96 Prozent. Im NachDenkSeiten-Interview gehen die beiden Sozialwissenschaftler Claudia Wenzig und Torsten Lietzmann näher auf ihre Studie ein und betonen, dass der Kampf gegen Armut ein zentrales Thema ist und bleibt. Von Marcus Klöckner.

Sie haben sich gerade in einer Studie mit „Armutslagen“ in Deutschland auseinandergesetzt. Sind Familien besonders von Armut bedroht, wenn nur ein Elternteil arbeitet?

Torsten Lietzmann: Aus vielen Untersuchungen weiß man, dass die Erwerbssituation in einem Haushalt ein wichtiger Einflussfaktor für die Armutsgefährdung ist. Wir haben uns dies in unseren Analysen daher genauer angesehen und haben in einem Fünf-Jahres-Zeitraum sowohl die Einkommenslagen eines Haushaltes als auch die Erwerbsbeteiligung untersucht. Zusätzlich haben wir noch unterschieden zwischen Kindern in Paar-Familien und Kindern, die nur mit einem Elternteil zusammenleben. Auch in unserer Untersuchung zeigt sich der starke Zusammenhang zwischen der Erwerbssituation der Mutter und den Armutslagen von Kindern. Weiterlesen

Männer in Österreich haben im Durchschnitt über 800 Euro mehr Rente ! Alle zahlen ein !

Alterssicherung Österreich: Rente nachhaltig finanziert

Das vergleichsweise hohe Rentenniveau in Österreich sei langfristig nicht finanzierbar,meinen Kritiker. Zu Unrecht, zeigt eine Studie. Tatsächlich ist am Beispiel Österreich zu sehen, wie leistungsfähig umlagefinanzierte Rentensysteme sind.

Eine starke gesetzliche Altersrente ist möglich: Während deutsche Männer, die 2016 in Rente gingen, monatlich im Schnitt mit 1008 Euro vor Steuern auskommen müssen, haben die Österreicher 1899 Euro zur Verfügung. Bei manchen konservativen Ökonomen erweckt das Argwohn; sie zweifeln an der Nachhaltigkeit des österreichischen Systems. WSI-Forscher Florian Blank und Rudolf Zwiener vom IMK kommen in einer Analyse, die sie gemeinsam mit Camille Logeay von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft sowie Erik Türk und Josef Wöss von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien veröffentlicht haben, zu dem Ergebnis, dass solche Zweifel unbegründet sind.

In Österreich seien Selbstständige und Beamte sukzessive in die Rentenversicherung einbezogen worden, schreiben die Experten. Der Beitragssatz liege seit 1988 unverändert bei 22,8 Prozent, wobei die Arbeitgeber für 12,55 Prozent aufkommen, die Arbeitnehmer für 10,25 Prozent. Auf Grundlage dieser breiten Finanzierungsbasis seien die vergleichsweise hohen Leistungen möglich.

Dass die Kosten langfristig aus dem Ruder zu laufen drohen, halten die Wissenschaftler für unwahrscheinlich. Sie verweisen auf Berechnungen der Europäischen Kommission, denen zufolge die Ausgaben für Renten und Pensionen von 13,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2013 auf 14,7 Prozent im Jahr 2040 bzw. 14,4 Prozent im Jahr 2060 und damit „äußerst moderat“ steigen werden. Die Europäische Kommission bewertet diese Entwicklung als „weitgehend stabil“.

Entscheidend ist auch die Arbeitsmarktpolitik

Zwar dürfte der Anteil der Menschen ab 65 in Österreich von 28 Prozent 2015 auf 51 Prozent 2060 zunehmen. Doch entscheidend sei nicht dieser Wert, sondern die Relation der Rentner zu den versicherten Erwerbstätigen, argumentieren die Forscher. Und da gebe es Gestaltungsmöglichkeiten, wie beispielsweise die Verwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung durch den Mindestlohn in Deutschland gezeigt hat. Die Erwerbstätigkeit von Frauen lasse sich durch bessere Kinderbetreuung steigern.

In der öffentlichen Debatte taucht regelmäßig der Nachhaltigkeitsindex des Beratungsunternehmens Mercer auf, bei dem Österreichs Rentensystem ziemlich schlecht abschneidet. Der Hauptgrund: Es handelt sich um ein öffentliches, umlagefinanziertes System, das kaum Kapitaldeckung vorsieht. Dass kapitalgedeckte Systeme generell nachhaltiger seien, ist laut Blank, Zwiener und ihren Kollegen allerdings ein Trugschluss. Gegenüber demografischen Schocks seien solche Modelle genauso empfindlich wie Umlagesysteme. Denn entscheidend sei in beiden Fällen die zukünftige Wirtschaftsleistung. Zudem dürfte spätestens seit der Finanzkrise klar sein, dass das Vertrauen in die Effizienz der Finanzmärkte und deren Renditeversprechen oft täuscht. Abgesehen davon wäre der Übergang zu Kapitaldeckung für die jüngere Generation ohnehin kein Vorteil: Die müsste nämlich gleichzeitig einen Kapitalstock ansparen und die Renten der Älteren finanzieren.

Dass in Österreich zugunsten der Rente an anderer Stelle gespart wird, wie manche Kritiker behaupten, ist der Analyse zufolge ebenfalls unwahr. Zwar sei der Krankenversicherungssatz niedriger als in Deutschland und es gebe keine Pflegeversicherung. Klinikkosten würden aber zur Hälfte durch Steuern finanziert, das Pflegegeld komplett. Die Rente sei Teil eines Systems, das generell höhere Arbeitgeberabgaben vorsieht – ohne dass das der österreichischen Wirtschaft bislang erkennbar geschadet hätte.
Quelle

Florian Blank u.a.: Ist das österreichische Rentensystem nachhaltig? Wirtschafts­dienst 3/2018

https://www.boeckler.de/114705_114718.htm

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