DGB NRW: Kinderarmut bekämpfen / Herne in NRW ganz vorn mit der Kinderarmut

„Mit der Formulierung, Herne gehöre „zu den ärmsten Städten Deutschlands“, wird nahe gelegt, dass es in Herne – im Städtevergleich – besonders viel Armut gebe. Diese Vermutung ist falsch.“ – Originalzitat von Stadtdirektor Dr. Klee auf eine Bürgeranfrage von Norbert Kozicki im Rat der Stadt Herne vom 28.11.2017

DGB NRW: Mit Tarifbindung und sozialem Arbeitsmarkt Kinderarmut bekämpfen

Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Vergangenes Jahr lebten 18,6 Prozent aller Kinder in Nordrhein-Westfalen in Familien, die Hartz IV beziehen, Tendenz steigend. Dazu erklärt Dr. Sabine Graf, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW:

„Unter den deutschen Flächenländern liegen wir damit auf dem traurigen dritten Platz. Nordrhein-Westfalen hat ganz offensichtlich ein Problem mit Kinderarmut. Hier ist dringend politisches Handeln gefordert!“ Besonders alarmierend sei die Situation im Ruhrgebiet: In neun Ruhrgebietsstädten lebt mehr als ein Viertel der unter 18-Jährigen in Armut. „Die Landesregierung sollte ihre geplante Ruhrkonferenz nutzen, um an Lösungen für diesen Skandal zu arbeiten“, so Graf.

Die Hauptursache für Kinderarmut liegt in der Langzeitarbeitslosigkeit der Eltern: In ungefähr drei Viertel der betroffenen Familien ist mindestens ein Elternteil bereits mehr als ein Jahr arbeitslos. „Deshalb ist es zentral, arbeitslosen Eltern einen Arbeitsplatz zu fairen Bedingungen zu bieten. Wir erhoffen uns von dem geplanten sozialen Arbeitsmarkt eine Erleichterung für die betroffenen Familien“, erklärt die stellvertretende DGB-Landeschefin. „Dafür ist es wichtig, dass das Programm auch bei den Menschen in den Wohnquartieren mit hoher Kinderarmut ansetzt und hier Arbeitsplätze schafft.“

Zudem fordert der DGB, dass bei dem aktuellen Gesetzesentwurf für den sozialen Arbeitsmarkt nachgebessert wird. Ziel müsse es sein, unbefristete, sozialversicherte und tariflich bezahlte Arbeit zu schaffen. Dr. Sabine Graf: „Wer Armut bekämpfen will, muss Langzeitarbeitslosigkeit und prekäre Arbeit stoppen. Die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und die Ausweitung der Tarifbindung sind deshalb die wirksamsten Mittel gegen Kinderarmut.“

Hintergrund: Nach Statistiken der Bundesagentur für Arbeit lebten Ende 2017 in Nordrhein-Westfalen über 580.000 Kinder in 300.000 Haushalten von Hartz IV. Die Zahl der Kinder ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent gestiegen.

 

Zur vollständigen Pressemitteilung des DGB NRW:

https://nrw.dgb.de/-/2LY

 

Immer mehr Rentner auf Minijobs angewiesen: 17,4% aller Minijobber in Herne sind RentnerInnen

Immer mehr Rentner auf Minijobs angewiesen

Vor zwei Tagen ging durch die Tagespresse, dass immer mehr Rentner in Minijobs angewiesen sind. Im Dezember 2017 gab es knapp 1,1 Millionen Minijobber ab 65 Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2003 hat sich die Anzahl der Minijobber im Rentenalter verdoppelt: Vor 15 Jahren waren noch rund 587.000 Senioren geringfügig beschäftigt. Die Altersgruppe ab 65 Jahren stellt mittlerweile den größten Anteil der Minijobber, die regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen.

In Herne arbeiteten im Monat Dezember 2017 1.329 RentnerInnen in Minijobs. Das entspricht einem Anteil von 17,4% aller Minijobber in Herne (7.629).

Nach den vorliegenden Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für Herne stieg die Anzahl der RentnerInnen vom Dezember 2016 von 1.271 auf 1.329 im Dezember 2017 in Minijobs. Das ist ein Anstieg innerhalb eines Jahres um 4,6%.

Im Vergleich zur Entwicklung der Anzahl aller Minijobber in Herne ist das eine bedeutsame Steigerung. Die Anzahl der Arbeitsstellen im Minijob-Bereich nimmt in Herne seit 2007 kontinuierlich ab. Vom Dezember 2007 bis zum Dezember 2017 verringerte sich die Anzahl der Minijobs von 8.727 auf 7.629 Stellen (Minus rund 13%).

Die Statistik am Arbeitsort der Bundesagentur weist auf eine weitere nicht erfreuliche Entwicklung im Agenturbereich von Herne hin: seit dem Dezember 2007 bis Dezember 2017 hat sich die Anzahl der Vollzeitstellen für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte von 37.302 auf 31.832 verringert (Minus rund 15%).

Im gleichen Zeitraum nahm die Anzahl der Teilzeitstellen für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte von 7.796 auf 13.412 zu (Plus von 72%).

zusammengestellt von Norbert Kozicki, Dipl.Soz.Wiss.

Wissenschaftler appelliert an die Politik im Ruhrgebiet: Macht endlich was gegen die Kinderarmut !

Die Zahlen für Herne (Stand Dezember 2017):

32,6% aller unter 15-Jährigen in SGBII-Bedarfsgemeinschaften (6.231 Kinder)

44% aller 7 bis 15-Jährigen leben länger als 4 Jahre in SGBII-Bedarfsgemeinschaften

7.851 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren lebten im Dezember 2017 in Herne in SGBII-Bedarfsgemeinschaften.

Von Dezember 2012 bis Dezember 2017 Zunahme der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in SGBII-Bedarfsgemeinschaften um 18,7% !

Im Folgenden die Zeitreihen von Dezember 2006 bis Dezember 2017 für die Städte Bochum, Gelsenkirchen und Herne (mit Dank an das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe):

kinder-in-sgb2-bg-und-bg-alleinerziehender-122006-032018-bochum-gelsenkirchen-herne

Nachtrag 31. Juli 2018, PM Bundesagentur für Arbeit, aktuelle Zahlen für Herne im Monat April 2018:

Unter 3-Jährige 1.378

3 bis unter 6-Jährige  1.289

6 bis unter 15-Jährige 3.674

insgesamt unter 15-Jährige: 6.341

Unter 18-Jährige 7.941

 

Kinderarmut ist vor allem ein Problem des Ruhrgebiets

Christopher Onkelbach

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und seit Jahren sinkender Arbeitslosenzahlen leben immer mehr Kinder in Hartz-IV-Haushalten. „Wir erleben eine wachsende Spaltung der Gesellschaft“, sagt der Bochumer Sozialwissenschaftler Volker Kersting. „In manchen Stadtteilen lebt die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Armut.“

 

Weiterlesen

1.August 2018: Neue Einzelzimmerquote in Pflegeheimen, 5.600 Plätze in NRW fallen weg. Welche Folgen für Herne ?

Ein Viertel der Pflegeheime in NRW scheitert an Einzelzimmerquote

Matthias Korfmann

 

Ab 1. August dürfen in nur noch maximal 20 Prozent der Zimmer eines Pflegeheims zwei Betten stehen, wie hier in einem Pflegeheim in Duisburg-Ruhrort. Die bereits vor 15 Jahren vereinbarte Quote erfüllen nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums rund drei Viertel der Heime.

Weiterlesen

Bündnis Sozialticket gegen Kürzungen der Landeszuschüsse und für eine Verbesserung der Sozialticket-Angebote

 

Bündnis Sozialticket NRW
c/o Tacheles e.V.
Frank Jäger
Rudolfstr. 125
42285 Wuppertal
Wuppertal, im Juli 2018

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

das „Bündnis Sozialticket NRW“ hat sich Ende Januar 2018 in Wuppertal gegründet mit dem Ziel, Kürzungen der Landeszuschüsse zu verhindern und für eine Verbesserung der Sozialticket-Angebote in NRW zu kämpfen, damit das Sozialticket auch wirklich von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann.

Das seit November 2011 von der damaligen Landesregierung in vielen Verkehrsverbünden eingeführte Sozialticket beruhte auf einem jahrelangen Einsatz von Verbänden und Initiativen für Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe auch der Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig von gesetzlichen Sozialleistungen oder unterhalb der Armutsgefährdungsquote leben (müssen). Die bereits damals bewilligten Haushaltsmittel von zunächst 30 Mio. € und später 40 Mio. € pro Jahr waren jedoch von Anfang an nicht ausreichend, um das Sozialticket für den anspruchsberechtigten Personenkreis bezahlbar zu machen, da der Preis z.B. im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) auch damals schon weit oberhalb des im Hartz-IV-Regelsatz vorgesehenen Bedarfssatzes lag.

Als die neue Regierungskoalition aus CDU und FDP im Herbst 2017 ankündigte, die Fördermittel für das Sozialticket bis 2020 auslaufen zu lassen, führte eine überraschend breite Protestwelle dazu, dass die Landesregierung einlenkte und zusagte, die bisherige Förderung von jährlich 40 Mio. € fortzusetzen. Allerdings lehnte sie die Anträge von SPD und Grünen ab, für die kommenden Jahre Verpflichtungsermächtigungen in den Landeshaushalt aufzunehmen, mit denen die Förderung auch über 2018 hinaus gewährleistet werden sollte.

Wir haben deshalb immer noch die Befürchtung, dass die Landesregierung ihre Absicht, die Landesförderung auf kurz oder lang auslaufen zu lassen, noch nicht ganz aufgegeben haben könnte – auch wenn das Verkehrsministerium dieser Tage gegenüber der Presse das Gegenteil beteuerte. Aus diesem Grunde wollen wir rechtzeitig vor der Einbringung des nächsten Landeshaushalts (nach bisherigem Stand in der Sitzung des Landtages am 19./20. Sept. 2018) in Richtung Parteien und Landesregierung initiativ werden, damit auch in den kommenden Jahren von den Verkehrsverbünden ein Sozialticket angeboten werden kann, was ohne die Landesförderung nicht mehr der Fall wäre.

 

Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die bisherigen Fördermittel von 40 Mio. € p.a. nicht ausreichen, um für die anspruchsberechtigten Menschen ein Sozialticket bezahlbar und attraktiv zu machen. Während im Hartz-IV-Regelsatz aktuell lediglich 27,85 € für Bus und Bahn enthalten sind, beträgt der Preis für das Sozialticket im VRR inzwischen 37,80 €, in dem anderen großen Verbund VRS sogar 38,70 €. Weitere Preiserhöhungen sind bereits angekündigt. Diese Tickets sind für die meisten Anspruchsberechtigten schlichtweg zu teuer. Mit der Folge, dass beispielsweise im VRR das Sozialticket-Angebot 2017 nur von 12,3 % der Berechtigten in Anspruch genommen wurde, von erschreckend wenigen also.

Es kommt erschwerend hinzu, dass das Sozialticket jeweils nur für ein sehr begrenztes Tarifgebiet gilt und deshalb jede Fahrt von z.B. Essen nach Duisburg oder Düsseldorf mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, die aber von Sozialleistungsempfängern oder älteren Menschen in der Grundsicherung nicht finanziert werden können. Wir halten es deshalb für unabdingbar, dass die Landesregierung im Landeshaushalt 2019 die Weiterförderung des Sozialtickets nicht nur gewährleistet, sondern die Fördermittel auch deutlich aufstockt, wenn sie es mit Armutsbekämpfung und der Gewährleistung von Mobilität und Teilhabe tatsächlich ernst meint.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns dabei unterstützen, ein landesweites Sozialticket einzuführen, das preislich die Bedarfsposition im Hartz-IV-Regelsatz nicht überschreitet. Helfen Sie uns, der Landesregierung deutlich zu machen, dass sie für vergleichbare Lebensbedingungen in NRW und damit auch für ein bezahlbares Verkehrsticket zu sorgen hat. Sie soll auch wissen, dass es erneut zu breiten Protesten kommen wird, falls im Zuge der Haushaltsberatungen doch wieder Vorschläge für eine Kürzung der Landesförderung auf den Tisch kommen sollten. Zugleich bieten wir aber unsere Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Sozialtickets an.

Wir laden Sie überdies herzlich zur Mitarbeit in unserem Bündnis ein. Unser nächstes Treffen in größerer Runde wird voraussichtlich am 25. August stattfinden. Für den Herbst planen wir zudem einen landesweiten Ratschlag zum Thema Sozialticket.

Mit freundlichen Grüßen
für das Bündnis
Heiko Holtgrave und Frank Jäger

(Der offene Brief ist formatiert als PDF-Datei angehängt. Antworten per Email bitte an info@akoplan.de und jaeger@tacheles-sozialhilfe.de)

P.S.
Sie sind herzlich eingeladen, sich in unseren Mailverteiler einzutragen, um weiter auf dem Laufenden zu bleiben. Zugang finden Sie unter https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/sozialticketnrw

Sozialticket – Offener Brief – 07-2018

Wirtschaftliche Entwicklung geht an Kindern und Jugendlichen in SGBII-Bedarfsgemeinschaften völlig vorbei

Aktuelle Zahlen: Kinder unter 18 Jahren in SGBII-Bedarfsgemeinschaften

Der sogenannte Konjunkturaufschwung geht an den betroffenen Kindern völlig vorbei.

 

Die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in der Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II ermittelte Zahl (Bestand) der unverheirateten Kinder im Alter von unter 18 Jahren in SGB II-Bedarfsgemeinschaften, erreichte im März 2007 in der Bundesrepublik Deutschland mit 2.285.800 ihren bisher höchsten Wert.

Bis November 2012 sank die Zahl der unverheirateten Kinder im Alter von unter 18 Jahren in SGBII-Bedarfsgemeinschaften auf 1.866.703, der, abgesehen von den ersten drei Monaten nach Inkrafttreten des SGB II am 1. Januar 2005, niedrigste Wert.

Nach November 2012 stieg die Zahl der unverheirateten Kinder im Alter von unter 18 Jahren in SGB II-Bedarfsgemeinschaften und überschritt im Januar 2017 erstmals seit September 2010 wieder zwei Millionen.

Bis Mitte August 2017 stieg die Zahl der unverheirateten Kinder im Alter von unter 18 Jahren in SGB II-Bedarfsgemeinschaften auf 2.055.165, der höchste Stand seit Mitte 2010.

Im März 2018 (der nach einer Wartezeit von drei Monaten aktuellste Berichtsmonat) wurden 2.027.947 unverheiratete Kinder im Alter von unter 18 Jahren in SGB II-

Bedarfsgemeinschaften gezählt, 27.218 weniger als Mitte August 2017, als das zum 1. Juli 2017 rückwirkende Inkrafttreten der „Änderung des Unterhaltsvorschussgesetzesim Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde.

In Nordrhein-Westfalen erreichte die Zahl der Kinder in SGBII-Bedarfsgemeinschaften im Monat März 2018 einen neuen Höchststand: 579.395 Kinder. Seit Dezember 2014 steigt die Zahl der betroffenen Kinder in Nordrhein-Westfalen. Das gleiche gilt für die Ruhrgebietsstädte Duisburg, Essen und Dortmund. Die Zunahme in Herne wurde hier an anderer Stelle dokumentiert.

In Essen lebten aktuell im Monat März 2018 31.522 Kinder unter 18 Jahren im HartzIV-Bereich, in Duisburg 26.378 Kinder und in Dortmund 29.221 Kinder.

Quelle: BIAJ Bremen

2018-07-24_teil-1_uvg-sgb2-kinder-u18-kol-alleinerziehende-122006-032018-abb

Bildungsbericht 2018 erschienen: Lebensgemeinschaften mit Kindern nimmt stetig ab

Für Kinder stellt die Familie den ersten und einflussreichsten Ort der Sozialisation und der Persönlichkeitsbildung dar. Die bildungsrelevanten Ressourcen der Familie und des sozialen Umfelds sind für die Bildungschancen der Kinder in Deutschland nach wie vor ein entscheidender Faktor.
Neben den Ressourcen der Eltern können auch im Haushalt lebende Geschwister zur familialen Anregung beitragen und einen Vorbildcharakter haben. Hier ist zunächst zu fragen, in welchen Familienformen und, im Speziellen,ob Kinder in Ein- ­oder in Mehrkindfamilien aufwachsen.
Rückgang des Bevölkerungsanteils in Familienstrukturen setzt sich fort.
Die Formen des Zusammenlebens unterliegen einer langsamen, aber kontinuierli­chen Veränderung: Mit Blick auf die letzten 20 Jahre zeigt sich deutlich, dass die Form des Zusammenlebens in Familien, also von Erwachsenen (Ehepaare, Lebensge­meinschaften, Alleinerziehenden) mit minderjährigen Kindern in einem Haushalt, stetig abnimmt.
Lebten 1996 noch 57% der Bevölkerung in solchen Familienzusam­menhängen, ist es 2016 mit 48% weniger als die Hälfte.
Nicht unberücksichtigt bei der Interpretation dieser Zahlen darf jedoch der demografische Wandel bleiben: In einer alternden Bevölkerung gibt es beinahe zwangsläufig immer mehr Haushalte mit äl­teren Menschen, die nicht mehr mit ihren minderjährigen Kindern zusammenleben.
Ehepaare mit Kindern weiter häufigste Familienform, besonders bei den Familien mit
Migrationshintergrund
Über ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands lebt in der Familienform „Ehe­
paare mit Kindern“, wobei sich der stetige Rückgang dieser Familienform seit nun­
mehr 20 Jahren fortsetzt.
In Westdeutschland und insbesondere bei den Menschen mit Migrationshintergrund ist diese Form des Zusammenlebens stärker verbreitet als in Ostdeutschland und bei Menschen ohne Migrationshintergrund.
Betrachtet man als Bezugsgröße lediglich die Bevölkerung in Familienformen, leben 2016 knapp drei Viertel in der Form „Ehepaare mit Kindern“, 9% in nichtehelichen Lebensgemeinschaf­ten und 17% in Alleinerziehendenfamilien.
Die entsprechenden Anteile lagen 1996 bei knapp 85% für Ehepaare, 4% für nichteheliche Lebensgemeinschaften und 12 %für Alleinerziehendenfamilien.
Geschwister­strukturen in den letzten Jahren weitgehend konstant
In mehr als der Hälfte der Familien lebt 2016 1 Kind (noch) ohne Geschwister
(52%), in 38% der Familien leben 2 Kinder und nur in jeder zehnten Familie 3 und
mehr Kinder unter 18 Jahren im Haushalt. Die durchschnittliche Kinderzahl bei den
Familien mit 3 und mehr Kindern liegt seit 1996 konstant bei 3,4 Kindern.
1996 gab es anteilig noch mehr Zweikind- ­und weniger Einkindfamilien.
Diese rückläufige Entwicklung ist in Ostdeutschland aktuell nicht festzustellen: Seit 2006
ist der Anteil von Familien mit 2 Kindern deutlich zulasten der Einkind­-Paarhaushalte
gestiegen, ohne dabei jedoch die hohen Anteile von Westdeutschland zu erreichen.
Auch bei den Einkindfamilien sind deutschlandweit deutliche strukturelle Än­
derungen hinsichtlich der Familienformen zu erkennen: War vor 20 Jahren die Fa­milienform bei 18 % der Einkindfamilien „alleinerziehend“, gilt dies aktuell für gut
25 % – wobei dieser Anstieg beinahe ausschließlich durch Familien ohne Migrations­
hintergrund bedingt ist.
Jede 5. Familie alleinerziehend
Waren 2006 noch 18 % aller Familien Alleinerziehendenfamilien, sind es 2016
knapp 20 %. Auffällig ist, dass die Anteile der Alleinerziehenden mit 1, 2 sowie 3
und mehr Kindern bei den Menschen mit Migrationshintergrund teilweise deutlich
stärker gestiegen sind als bei denen ohne Migrationshintergrund. Ins Auge fallen
auch die unabhängig von der Kinderzahl hohen Anteile von Alleinerziehenden in
Ostdeutschland: Knapp ein Drittel der Einkindfamilien und knapp ein Fünftel der
Mehrkindfamilien ist dort alleinerziehend.
Die offensichtlichsten Unterschiede zwischen Familien mit und ohne Migra
­
tionshintergrund sind der bei den Menschen mit Migrationshintergrund höhere
Anteil von Paarfamilien (84 %) und der höhere Anteil von Familien mit mindestens
2 Kindern (53 %).
Wer sich für die zentralen Ergebnisse des neuen Bildungsberichtes interessiert, klicke hier:

Ausbildungsmarkt in Herne: viele junge Menschen ohne Angebot

Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt
Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen
für die Jahre 2009 bis 2017
In Nordrhein-Westfalen gab es 2017 keinen Arbeitsagenturbezirk, in dem rechnerisch 100
Ausbildungsangebote oder mehr je 100 Nachfrager_innen zur Verfügung standen, im Unterschied zur bundesweiten Statistik.
Der Arbeitsagenturbezirk Bochum/Herne wies für 2017 eine Versorgung von rund 55 Ausbildungsangeboten für 100 institutionell gemeldete Nachfrager_innen auf. Das ist in NRW der schlechteste Wert. (NRW 64 und BRD 71 Angebote auf 100 Nachfrager)
Auf das Stadtgebiet von Herne bezogen, wird die Anzahl der Angebote noch geringer:  1657 Bewerber, 670 Ausbildungsstellen – das ist die erschreckende Bilanz fürs Herner Ausbildungsjahr 2016/17. D.h. für 100 Nachfrager_innen stehen 40 Ausbildungsangebote zur Verfügung.
Ein Befund aus dieser Studie, der ein bedeutsames Dilemma benennt: »Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen ist durch wachsende Passungsprobleme gekennzeichnet. Während immer mehr Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, verharrt die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz auf hohem Niveau. Mit Bezug auf die Wert-Erwartungs-Theorie, Berufswahltheorien und die Identitätspsychologie wird untersucht, warum Jugendliche Ausbildungsangebote nicht nutzen. Die empirische Basis bilden neben amtlichen Statistiken Befragungen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung. Demnach beurteilen die Jugendlichen Ausbildungsberufe primär danach, ob diese ihre soziale Identität stärken. Berufen, in denen traditionell viele Personen mit niedrigen Schulabschlüssen arbeiten, unterstellen sie, dies nicht leisten zu können, zumal sie selbst immer häufiger über höhere Schulabschlüsse verfügen. Somit bleiben gerade in jenen Berufen viele Ausbildungsangebote ungenutzt, die auch schulisch Leistungsschwächeren Chancen bieten.«
Die aktuelle Analyse:

Steigende Mieten und hohe Wohnkosten: in Herne 26,5% aller Haushalte im Armutsgefährdungsbereich. In Herne fehlen für über 11 000 Haushalte „leistbare Wohnungen“ (Böckler Stiftung)

Steigende Mieten und hohe Wohnkosten sind für viele Einwohner in deutschen Großstädten ein gravierendes Problem. Wohnen ist zum sozial- und verteilungspolitischen Thema geworden.

 

Die tatsächliche Mietbelastung übersteigt in vielen Haushalten einen Anteil von 30 Prozent des Einkommens (Lebuhn, Holm, Junker, Neitzel 2017). Das ist der Anteil, der allgemein als angemessen gilt. Mit diesem Ergebnis bleibt aber noch offen, wie viele und welche Wohnungen in deutschen Großstädten fehlen, damit Haushalte mit ausreichendem und gleichzeitig leistbarem Wohnraum versorgt werden können. In der hier vorgelegten Analyse wird die soziale Versorgungslücke in deutschen Großstädten insgesamt und bezogen auf einzelne Großstädte aufgezeigt. Dazu wurden zunächst der nach Haushaltsgrößen und Einkommensklassen differenzierte Versorgungsbedarf an Wohnungen und das nach Größe und Preis differenzierte Versorgungspotential des Wohnungsbestandes in den Städten ermittelt. Weil sich zeigt, dass Versorgungsbedarf und Versorgungspotenzial nicht übereinstimmen, kann die soziale Versorgungslücke an leistbaren Wohnungen für verschiedene Haushaltsgrößen und Einkommensgruppen in den untersuchten Städten bestimmt werden. Weiterlesen

Armut und AfD-Wähleranteile im Ruhrgebiet: ein Interview mit dem Soziologen Wilhelm Heitmeyer

Der Erfolg der AfD im Ruhrgebiet – Wilhelm Heitmeyer im Interview

In Ruhrgebiet | Am 2. November 2017 | Von Michael Voregger (Quelle: correctiv)

„Es müssen sichtbare Veränderungen gerade in den Stadtvierteln von Gelsenkirchen, von Duisburg oder dem Essener Norden erkennbar sein“.

Gelsenkirchen ist die ärmste Stadt Deutschlands und die Hochburg der AfD im Westen. (Herne ist die achtärmste Stadt nach dieser Statistik und hat AfD-Anteile bis zu 26%). Ein Zufall oder gibt es hier einen Zusammenhang? Wilhelm Heitmeyer, 72 ist ein deutscher Soziologe, Erziehungswissenschaftler und Professor für Sozialisation am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld. Er war bis 2013 Direktor des Instituts und seitdem ist er dort im Rahmen einer Forschungsprofessur tätig. Seit den 80er Jahren untersucht er Rechtsextremismus, von 2002 bis 2012 lief seine Langzeitstudie zur „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. Weiterlesen

1 2 3 4 6