„Und immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass auch die Last der Inflation ungleich verteilt ist.“

Reallöhne auf dem Sinkflug:

DieKaufkraft der Beschäftigten schmilzt wie eine Eiskugel in der Sommer-Sonne

»Obwohl unsere Löhne im Schnitt um 2,3 Prozent stiegen, können sich Deutsche davon deutlich weniger kaufen als im Vorjahr. Lohnschwund-Alarm!«, schrillt es aus der Online-Ausgabe der BILD-Zeitung: Die Inflation frisst unsere Gehälter auf! Dabei wird Bezug genommen auf eine höchst seriöse Quelle: dem Statistischen Bundesamt. Von dort aus wurde diese Mitteilung in die Öffentlichkeit gegeben: Hohe Inflation führt im 3. Quartal 2022 zu Reallohnrückgang von 5,7 %: »Die anhaltend hohe Inflation in Deutschland hat im 3. Quartal 2022 erneut zu einem Reallohnrückgang geführt: Zwar war der Nominallohnindex im 3. Quartal 2022 nach vorläufigen Ergebnissen der neuen Verdiensterhebung um 2,3 % höher als im Vorjahresquartal, allerdings stiegen die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 8,4 %.« Das ergibt einen realen (preisbereinigten) Verdienstrückgang von 5,7 %.

»Damit mussten die Beschäftigten in Deutschland bereits im vierten Quartal in Folge einen Reallohnverlust hinnehmen, nachdem die Reallöhne bereits im 2. Quartal 2022 um 4,4 %, im 1. Quartal 2022 um 1,8 % und im 4. Quartal 2021 um 1,4 % gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal gesunken waren. Darüber hinaus handelt es sich um den stärksten sowie langanhaltendsten Reallohnrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008.«

Grund für die massiv schwindende Kaufkraft von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist die starke Teuerung. Weil die Preise deutlich schneller steigen als die Löhne, bleibt ihnen immer weniger „real“ von ihren Löhnen und Gehältern übrig. Die Inflationsrate lag im Sommerquartal im Schnitt bei 8,4 Prozent. Vor allem die höheren Preise für Energie infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine haben die Inflation in Deutschland in den vergangenen Monaten deutlich angetrieben. Stark verteuert haben sich auch Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs, so dieser Bericht über die neuen Zahlen aus Wiesbaden: Reallöhne sinken wie noch nie. Dort wird auch nach einem Hoffnungsschimmer gesucht: Schwächt sich die Teuerung bald ab? »Der Trend zu deutlichem Kaufkraftverlust könnte sich in den kommenden Monaten aber zumindest leicht abschwächen. Einerseits könnte der Preisauftrieb für Energie dank staatlicher Eingriffe wie der Gaspreisbremse im kommenden Jahr nachlassen. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung rechnet damit, dass die Inflationsrate leicht zurückgeht – von durchschnittlich 8,0 Prozent im zu Ende gehenden Jahr auf 7,4 Prozent 2023. Außerdem können sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf deutliche Gehaltssteigerungen einstellen. Gewerkschaften in vielen Branchen versuchen, in Tarifverhandlungen kräftige Lohnsteigerungen durchzusetzen.«

Von der Inflationsfront – hier gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahr – wurden ebenfalls heute erste vorläufige Daten den November des noch laufenden Jahres betreffend gemeldet: »Die Inflationsrate in Deutschland wird im November 2022 voraussichtlich +10,0 % betragen … Im Oktober 2022 hatte die Inflationsrate bei +10,4 % gelegen.« Allerdings bleiben zwei Preistreiber weiterhin in schwindelerregenden Höhen: »Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind insbesondere die Preise für Energie und Nahrungsmittel merklich angestiegen und beeinflussen die Inflationsrate erheblich. Im November 2022 stiegen die Preise für Nahrungsmittel im Vergleich zum Vorjahresmonat mit +21,0 % überdurchschnittlich. Dagegen gibt es bei den Energiepreisen eine leichte Entspannung. Sie sind dennoch 38,4 % höher als im Vorjahresmonat.«

➔ Und immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass auch die Last der Inflation ungleich verteilt ist. Dazu beispielsweise die regelmäßig aktualisierten Berechnungen aus dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), die im IMK Inflationsmonitor veröffentlicht werden: »Die Inflationsrate hat mit 10,4 % im Oktober einen neuen Höhepunkt erreicht. Dabei fiel der Preisanstieg bei Haushaltsenergie besonders kräftig aus, aber auch Nahrungsmittel und nahezu alle anderen Gütergruppen verteuerten sich weiter. Der Erdgaspreis legte trotz der Herabsetzung des Mehrwertsteuersatzes deutlich zu und weitere Steigerungen sind – anders als bei den anderen Energieträgern – in den Großhandelspreisen angelegt. Die kriegsbedingten Preissprünge bei Energie und Nahrungsmitteln dominieren weiterhin das Inflationsgeschehen. Wie in den Vormonaten belasten sie die Haushalte mit geringeren Einkommen besonders stark. Unter den hier betrachteten Haushalten war die haushaltsspezifische Inflationsrate von einkommensschwachen Paaren mit zwei Kindern erneut am höchsten (11,8 %). Die geringste Teuerungsrate verzeichneten wie durchgängig seit Januar 2022 einkommensstarke Alleinlebende (8,4 %). Damit bleibt die Spanne der haushaltsspezifischen Inflationsraten auf dem hohen Niveau von 3,4 Prozentpunkten. Besonders ausgeprägt ist erneut der Unterschied bei der kombinierten Belastung durch die Preise von Nahrungsmitteln und Haushaltsenergie. Er beträgt 5,0 Prozentpunkte, wobei diese Güterarten bei einkommensschwachen Alleinlebenden einen Inflationsbeitrag von 8,5 Prozentpunkten liefern, verglichen mit 3,5 Prozentpunkten im Falle von einkommensstarken Alleinlebenden.« (Quelle: Lukas Endres und Silke Tober 2022: IMK Inflationsmonitor. Inflationsspanne zwischen Arm und Reich verharrt im Oktober 2022 auf hohem Niveau. IMK Policy Brief Nr. 138, Düsseldorf, November 2022, S. 1).

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