Alleinerziehende: Weniger Arbeitslosigkeit, mehr Hartz-IV-Bezug

Alleinerziehende: Weniger Arbeitslosigkeit, mehr Hartz-IV-Bezug

Immer weniger Alleinerziehende sind arbeitslos und trotzdem waren zuletzt mehr als ein Drittel der Alleinerziehenden-Haushalte in Deutschland auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Der Grund: Obwohl mehr Alleinerziehende erwerbstätig sind, hat mehr als die Hälfte von ihnen lediglich eine Teilzeitstelle.

Seit 2013 ist die Arbeitslosigkeit von Alleinerziehenden in Deutschland jedes Jahr gesunken. Im Jahr 2018 waren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 197.000 Alleinerziehende arbeitslos. Die Zahl arbeitsloser Alleinerziehender ist seit 2010 um fast 100.000 Personen (-33,6 Prozent) gesunken. Damit war der Rückgang der Arbeitslosigkeit von Alleinerziehenden sogar noch stärker als der Rückgang der Arbeitslosigkeit insgesamt. Diese hatte zwischen 2010 und 2018 um 27,7 Prozent abgenommen. 2018 waren somit nur noch 8,4 Prozent der 2,34 Millionen Arbeitslosen in Deutschland Alleinerziehende.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Mehr als jeder dritte Alleinerziehenden-Haushalt bezieht Hartz IV

Trotz dieses beachtlichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit beziehen noch immer überdurchschnittlich viele Alleinerziehenden-Haushalte Hartz-IV-Leistungen. Im Jahr 2017 (Daten nur mit Wartezeit verfügbar) war mit einer SGB-II-Quote von 38,1 Prozent mehr als jeder Dritte Alleinerziehenden-Haushalt in Deutschland im Hartz-IV-Bezug. Damit ist die Hilfequote für Alleinerziehende mehr als viermal so hoch wie für Haushalte in Deutschland insgesamt. Zudem war die Hilfequote für Alleinerziehende im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,7 Prozentpunkte gestiegen – trotz der rückläufigen Arbeitslosigkeit.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit und Eurostat, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Ein Grund für den auffallend häufigen Hartz-IV-Bezug von Alleinerziehenden ist der hohe Anteil von alleinerziehenden Teilzeitbeschäftigten. Im Jahr 2017 waren nach Angaben der BA fast drei Viertel der Alleinerziehenden erwerbstätig. Ihre Erwerbstätigenquote lag damit nur rund sechs Prozentpunkte unter der allgemeinen Erwerbstätigenquote. Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Alleinerziehenden war allerdings nur in Teilzeit beschäftigt. Insgesamt war der Teilzeitanteil insgesamt 26,9 Prozent hingegen nur etwa halb so hoch.

Die BA-Statistik verrät, dass über 90 Prozent der arbeitslosen Alleinerziehenden weiblich sind. Für die betroffenen Frauen (und Männer) ist die Vereinbarkeit von Kindesbetreuung und existenzsichernder Arbeit in vielen Fällen offenbar noch nicht gegeben. Das hat selbstverständlich nicht nur Konsequenzen für ihre akute Lebenssituation, sondern stellt auch perspektivisch ein erhöhtes Risiko für Altersarmut dar.

von Lena Becher

Zum Weiterlesen:

Bundesagentur für Arbeit, Frauen und Männer – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Jahreszahlen), Dezember 2010 – Dezember 2017.

Bundesagentur für Arbeit, Frauen und Männer – Deutschland, West/Ost, Länder, Kreise, Regionaldirektionen und Agenturen für Arbeit (Monatszahlen), Januar 2018 – Dezember 2018.

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt für Alleinerziehende – Deutschland (Monats- und Jahreszahlen), Dezember 2017.

Eurostat, Erwerbstätigenquote nach Geschlecht, Altersgruppe 20-64, abgerufen am: 04.04.2019.

Eurostat, Teilzeitbeschäftigte Personen – Insgesamt, Altersgruppe 20-64, abgerufen am: 04.04.2019.

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