Im Jahr 2000 erster Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: Böckler-Stiftung nimmt die Geschichte kritisch unter die Lupe

Neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung

Die Einführung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Jahr 2000 war das Ergebnis zweier außerordentlicher Ereignisse in der sozialpolitischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zum einen wurde im Jahr 1998 erstmals eine rot-grüne Bundesregierung gewählt, deren explizites Ziel die Erstellung einer nationalen Armuts- und Reichtumsberichterstattung war.

Im Koalitionsvertrag von 1998 war zu lesen:

Die Bekämpfung der Armut ist ein Schwerpunkt der Politik der neuen Bundesregierung. Besonders die Armut von Kindern muss reduziert werden. Die neue Bundesregierung wird regelmäßig einen Armuts- und Reichtumsbericht erstatten.“ (Sozialdemokratische Partei Deutschlands und Bündnis 90/Die Grünen 1998)

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Lea Elsässers Buch bestätigt eine oft geraunte Vermutung: Die Politik hat die Interessen des Kapitals im Sinn

Wohl eher Reichenvertreter

Ökonomie Lea Elsässers Buch bestätigt eine oft geraunte Vermutung: Die Politik hat die Interessen des Kapitals im Sinn

Wohl eher Reichenvertreter

Zwischen diesen beiden Herren liegen nicht nur ökonomisch Welten

Foto: Photothek/Imago

Wir leben also in einer repräsentativen Demokratie, schön und gut, nur: Repräsentieren uns unsere Volksvertreter eigentlich alle in gleichem Maße? Oder ist was dran am immer häufiger zu hörenden politikverdrossenen „Die da oben machen doch eh, was sie wollen“? Der Frage, an wessen Interessen sich Politikentscheidungen ausrichten, geht die Politökonomin Lea Elsässer in ihrem Buch Wessen Stimme zählt? nach. Sie macht das mittels einer empirischen Untersuchung der Einstellungen von sechs Berufsgruppen – ungelernte Arbeiter*innen, Facharbeiter*innen, einfache Angestellte, höhere Angestellte, Beamt*innen, Selbstständige – zu über 700 Sachfragen, und dem Vergleich der tatsächlichen politischen Entscheidungen des Bundestags dazu.

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Bundesagentur für Arbeit: Jede dritte offene Stelle in der Leiharbeit

Bundesagentur für Arbeit: Jede dritte offene Stelle in der Leiharbeit

Obwohl weniger als drei Prozent der Beschäftigten in der Leiharbeit tätig sind, entfielen im Jahr 2018 rund 32 Prozent der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen auf die Leiharbeitsbranche. Die regionalen Unterschiede sind dabei erheblich. In manchen Gegenden ist jedes zweite Stellenangebot ein Leiharbeitsverhältnis.

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) jeden Monat knapp 772.000 freie Stellen gemeldet. Rund 248.000 von ihnen – 32 Prozent – entfielen dabei auf die Arbeitnehmerüberlassung. Damit war fast jeder dritte über die BA zu besetzende Arbeitsplatz ein Leiharbeitsverhältnis. Im Vergleich mit dem Vorjahr waren laut BA-Statistik zwar monatlich rund 15.000 mehr offene Stellen in der Leiharbeit gemeldet, ihr Anteil an allen gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen ist dennoch aufgrund der insgesamt hohen Arbeitskräftenachfrage leicht gesunken. Im Jahr 2018 entfielen 33,1 Prozent der bei der BA gemeldeten Stellen auf die Leiharbeitsbranche.

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6 Tage nach dem 8.März : Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern 2018 unverändert bei 21 %

Pressemitteilung Nr. 098 vom 14.03.2019 (Destatis):

Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern 2018 unverändert bei 21 %

 

WIESBADEN – Im Jahr 2018 blieb der allgemeine Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – also der unbereinigte Gender Pay Gap – im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Equal Pay Day am 18. März anhand fortgeschriebener Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung mitteilt, verdienten Frauen mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 17,09 Euro 21 % weniger als Männer (21,60 Euro).

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Soziale Unterschiede und Lebenserwartung – neue Ergebnisse der Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Soziale Unterschiede und Lebenserwartung – neue Ergebnisse der Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Während 13,2 % der Frauen der niedrigsten Einkommensgruppe vor Vollendung des 65. Lebensjahres sterben, sind es von den Frauen der höchsten Einkommensgruppe lediglich 8,3 %.
Bei Männern ist die vorzeitige Sterblichkeit in allen Einkommensgruppen deutlich höher und die Unterschiede zwischen der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe fallen mit 27,2 % gegenüber 13,6 % stärker aus.

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Hohe Armutsgefährdung, Niedriglöhne und Teilzeit bei Frauen

Hohe Armutsgefährdung, Niedriglöhne und Teilzeit bei Frauen

(Quelle: Linksfraktion Deutscher Bundestag)

Sabine Zimmermann hat zum Internationalen Frauentag am 8. März aktuelle Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat und der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet:

Die Armutsgefährdung von Frauen ist laut Eurostat von 12,9 Prozent im Jahr 2005 auf 17,1 Prozent in 2017 angestiegen. Waren im Jahr 2005 5,38 Millionen Frauen armutsgefährdet, sind es 2017 7,05 Millionen gewesen. Die Armutsgefährdung von Frauen liegt damit über der der Männer (15 Prozent im Jahr 2017). Die Armutsgefährdungsgrenze lag in Deutschland im Jahr 2017 bei 13.152 Euro im Jahr (60 Prozent des Medianeinkommens).

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Arme werden öfter und häufiger krank-Gesundheitsreport der AOK belegt Zusammenhang zwischen Wohlstand und körperlichem Wohlbefinden

Arme werden öfter und häufiger krank

Gesundheitsreport der AOK belegt Zusammenhang zwischen Wohlstand und körperlichem Wohlbefinden

(Quelle: Neues Deutschland)

Berlin. Erwachsene und Kinder, die von Hartz IV leben, haben mit größeren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen als angestellte Beschäftigte. Zu diesem Ergebnis kommt der noch unveröffentlichte Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg, der der »Rheinischen Post« (Samstag) vorliegt. Demnach leiden etwa bei den Beschäftigten nur 5,5, Prozent an Diabetes vom Typ 2, bei den Bezieher des Arbeitslosengelds II sind es dagegen 9,1 Prozent. Ähnlich groß ist demnach der Abstand bei Verengungen der Herzkranzgefäße.

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Hartz-IV-Empfänger: Nur jeder Dritte ist offiziell arbeitslos – in Herne 40,6%

Herne:

Personen in Bedarfsgemeinschaften           24.670

Leistungsberechtigte (LB)                           23.843

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte           17.246

 

(Jahresdurchschnitt 2017)

Arbeitssuchende Erwerbsfähige LB            12.530

Arbeitslose Erwerbsfähige LB                       7.001

Nicht arbeitslose Erwerbsfähig LB              12.245

Von den Erwerbsfähigen Leistungsberechtigten gelten in Herne 40,6% als arbeitslos.

Hartz-IV-Empfänger: Nur jeder Dritte ist offiziell arbeitslos

Im September 2018 gab es knapp 4,1 Millionen erwerbsfähige Hartz IV-Empfänger, aber gerade einmal 36 Prozent von ihnen gelten als arbeitslos im Sinne der Statistik. Mit 64 Prozent wird der überwiegende Teil von ihnen nicht zu den Arbeitslosen gezählt. Das zeigt der aktuelle Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit.

Im September 2018 lebten in Deutschland knapp sechs Millionen Menschen in einem Hartz IV-Haushalt. Knapp 4,1 Millionen der Hartz-IV-Empfänger waren im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 Jahren und der Regelaltersgrenze und könnten grundsätzlich einer Arbeit von mehr als drei Stunden täglich nachgehen. Doch von den über vier Millionen Erwerbsfähigen im Hartz-IV-System galten im September 2018 nur knapp 1,5 Millionen beziehungsweise 36 Prozent gemäß der BA-Statistik als arbeitslos. Wie ist das möglich?

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„Krise“: 250 Millionen Euro Dividende-900 Stellen sollen gestrichen werden – Kapitalismus in Reinkultur

Steigende Dividenden: 250 Millionen Euro / 900 Stellen sollen gestrichen werden

Schaeffler-Gruppe setzt Rotstift an. Gastkommentar
Von Michael Hartmann (aus Junge Welt, 7.März 2019)

Michael Hartmann war bis 2014 Professor für Soziologie an der TU Darmstadt. Zu seinen Schwerpunkten zählt die Elitenforschung

Der Vorstand der Schaeffler AG hat am Mittwoch verkündet, angesichts der krisenhaften Entwicklung des Unternehmens ein drastisches Kürzungsprogramm aufzulegen. Damit sollen in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren ungefähr 90 Millionen Euro eingespart werden. Das geschieht in erster Linie auf Kosten der Beschäftigten. Insgesamt rund 900 Stellen sollen gestrichen werden. Auf derselben Pressekonferenz wurde erklärt, dass trotz eines zehnprozentigen Rückgangs beim Nettogewinn auf 881 Millionen Euro die Dividende pro Aktie stabil bei 55 Cent bleiben solle. Das kommt zum größten Teil den beiden Haupteignern Georg Schaeffler und seiner Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler zugute. Sie halten drei Viertel der Aktien. Dementsprechend entfällt auf sie eine Dividendensumme von mehr als einer Viertelmilliarde Euro.

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