Aufstocker: Der NRW-Schnitt liegt dem Bericht zufolge bei 24,6 Prozent – Städte Duisburg, Gelsenkirchen und Herne mit rund 21 Prozent

Arbeitslosenreport: Fast jeder zehnte Berufstätige in NRW ist arm

Knapp neun Prozent der Berufstätigen in Nordrhein-Westfalen sind von Armut bedroht. Trotz Job zählen 762.000 Erwerbstätige zu den „working poor“, wie der veröffentlichte Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen ergab. Vor zehn Jahren seien mit 568.000 Menschen noch deutlich weniger Erwerbstätigen armutsgefährdet gewesen. Bundesweit liege der Anteil der Betroffenen bei acht Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, also weniger als 1.035 Euro pro Monat.

„Wir brauchen neue Strategien zur Überwindung von Armut“, forderte der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege NRW, Christian Heine-Göttelmann. So brauche es etwa in Jobcentern mehr individuelle Begleitung und langfristige Qualifizierungsangebote, um arbeitslosen Menschen einen Ausstieg aus prekärer Beschäftigung zu ermöglichen.

 

Als „besonders erschreckend“ bezeichnet die Freie Wohlfahrtspflege NRW, dass 17 Prozent der Vollzeitbeschäftigten (knapp 772.000 Menschen) in dem einwohnerstärksten Bundesland nur einen Niedriglohn erhielten. Bei Menschen ohne deutschen Pass und bei Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss liegt der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten den Angaben zufolge mit jeweils knapp 39 Prozent mehr als doppelt so hoch. Unter den Frauen ist jede vierte betroffen.

Bei über mehr als 279.000 Menschen in NRW ist das Einkommen dem Bericht zufolge so niedrig, dass es nicht zur Sicherung des Existenzminimums reicht. Sie sind als sogenannte Aufstocker auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen, darunter auch 30.000 Vollzeit-Erwerbstätige. 85.000 „Aufstocker“ arbeiten den Angaben zufolge in Teilzeit und 17.000 sind Selbstständige. Mit knapp 104.000 Menschen bilden geringfügig Beschäftigte die größte Gruppe der „Aufstocker“.

Im Bergischen Kreis, in den Kreisen Borken und Coesfeld sowie in Münster lag der Anteil der Erwerbstätigen unter den Hartz-IV-Beziehern mit mehr als 29 Prozent besonders hoch. Der NRW-Schnitt liegt dem Bericht zufolge bei 24,6 Prozent. Deutlich darunter lagen die Städte Duisburg, Gelsenkirchen und Herne mit rund 21 Prozent.

Der Report wird von den Wohlfahrtsverbänden in NRW veröffentlicht und in Kooperation mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz erstellt. Er basiert auf Daten der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit sowie Daten des Statistischen Bundesamts. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen.

Datensammlung des Arbeitslosenreports NRW:

https://www.freiewohlfahrtspflege-nrw.de/fileadmin/user_data/2018/Arbeitslosenreport-2018-2019/Datenanhang_2019-4_Arm_trotz_Arbeit.pdf

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