Hohe Mieten sorgen in Deutschland für Einkommen unter Hartz IV Niveau: bis zu 46 Prozent Mietbelastungsquote

Soziale Ungleichheit

Hohe Mieten sorgen in Deutschland für Einkommen unter Hartz IV Niveau

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Die schnell steigenden Mieten sorgen dafür, dass besonders einkommensschwache Haushalte, die bis zu 46 Prozent ihres Einkommens für Wohnraum ausgeben müssen, stärker belastet werden. Als Gegenmaßnahme fordert der Sozialverband Deutschland e. V. staatliche Investitionsprogramme, die besonders dem sozialen Wohnungsbau helfen sollen.

 

Berlin (Deutschland). In nahezu allen Regionen von Deutschland sind die Mieten in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Besonders in Großstädten wie München und Berlin ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis innerhalb von fünf Jahren um etwa 25 Prozent angestiegen. In den sogenannten Top-7 Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart liegt der Preis pro Quadratmeter derzeit bei durchschnittlich 11,57 Euro, was einer 18,9 prozentigen Steigerung in nur fünf Jahren entspricht.

Im Vergleich zu den stark gestiegenen Mieten sind die Reallöhne der Bevölkerung deutlich langsamer gewachsen. Dies hat laut einer Studie des Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD) dazu geführt, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland noch größer wurde.

Einkommen nach Miete unter Hartz IV Regelsatz

Laut Studienautor Stephan Junker von der Humboldt-Universität Berlin „macht die Miete über eine Million Haushalte in Großstädten so arm, dass ihr Einkommen nach Miete unter dem Regelsatz von Hartz IV liegt.“ Da ärmere Haushalte im Verhältnis zum Einkommen deutlich mehr Miete bezahlen, als Haushalte der Mittel- und Oberschicht und die Mieten für kleine Wohnungen überproportional stark gestiegen sind, sorgt diese Entwicklung gemeinsam mit den geringen Lohnsteigerungen im Niedriglohnsektor dafür, dass diese Bevölkerungsgruppe einen noch höheren Teil ihres verfügbaren Einkommens für Wohnraum ausgeben muss.

Wie Junker erklärt wird diese Entwicklung am deutlichsten, wenn „man die zehn Prozent der einkommensärmsten Haushalte beobachtet, da hier in den letzten Jahren die Einkommensentwicklung nicht nur langsamer als die Mietentwicklung war, sondern fast stagniert ist.“

Mietquote liegt bei bis zu 46 Prozent

Geringverdiener mit Einkommen von maximal 1.300 Euro monatlich haben in Deutschland eine durchschnittliche Mietbelastungsquote von 46 Prozent. Bei Personen, die netto 4.500 Euro oder mehr monatlich zur Verfügung haben sinkt die Mietbelastungsquote auf 17 Prozent ab. Im Durchschnitt gibt die Hälfte der zur Miete wohnenden Haushalte 29 Prozent oder mehr ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete aus. Am stärksten von hohen Mietbelastungsquoten betroffen sind Senioren, Singlehaushalte, Menschen mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende.

Neben Wohnungen für kleine Haushalte zeigen die Ergebnisse der Studie auch, dass bezahlbarer Wohnraum für große Haushalte fehlt. Betroffen sind hier besonders Familien mit mehreren Kindern, die vor allen in Großstädten kaum geeignete Wohnungen finden können.

Investitionsprogramm für bezahlbaren Wohnraum nötig

Der SoVD fordert aufgrund der stetig steigenden Mietbelastungsquoten, dass die staatliche Daseinsvorsorge für angemessenen Wohnraum sorgen muss. Der Interessenverband, der vor allem Rentenempfängern und Menschen mit niedrigem Einkommen vertritt, fordert daher ein umfassendes Investitionsprogramm für die öffentliche Wohnungsbauförderung, das auf Wohnungen für Mittel- und Geringverdiener ausgerichtet sein soll.

SoVD-Präsident Adolf Bauer sieht dabei den sozialen Wohnungsbaum, der aus Sicht des SoVD jahrelang vernachlässigt wurde, in einer Schlüsselstellung. Die bisher vom Bund eingeplanten 1,5 Milliarden Euro bezeichnet Bauer als zu gering, um damit „die Probleme des Wohnungsmarkts dem Kräftespiel der Wirtschaft“ entreißen zu können.

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